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Der Werkmeister (Ernst Seiler)

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Im Aktivdienst: Ernst Seiler mit Pferd Bobby

Es ist ein strahlender Tag in diesem frühsommerlichen April. Wir stehen vor dem Eingang zum Haus an der Winterthurerstrasse 554. Hier wohnt Ernst Seiler, zusammen mit seiner Frau Frieda, seit 54 Jahren. Das Velo, das er mir überreicht, ist noch älter.

All die Jahrzehnte hat er es gepflegt und eigenhändig repariert. „Einen Velomechaniker brauchte ich nie.“ Der Grund für die sorgfältige Behandlung liegt im Leben des inzwischen 87-jährigen, aus dem er nun zu erzählen beginnt: „Zur Welt kam ich in Hausen am Albis. Der Vater war Fuhrhalter – heute wäre das ein Transpörtler. Er hatte zwei Rosse und einen Wagen.“

Der Vater starb früh. Ernst wuchs zusammen mit zwei Brüdern und einer Schwester im St. Gallischen Oberuzwil auf. „Als Junger hatte ich manche Träume. Ich wäre gern Mechaniker bei Bühler-Uzwil geworden. Doch der Vormund schickte mich nach Bulle in die Lehre. Dort wurde ich auch konfirmiert.“ 1938 kehrte Ernst Seiler in die Ostschweiz zurück. Zunächst hatte er ein Zimmer im Toggenburg. Dort arbeitete er für 80 Rappen pro Stunde im Strassenbau. Das war die Zeit, in der der Wunsch nach einem Velo aufkam. „Manchmal ging ich bis nach St. Gallen zu Fuss. Da sagte ich mir, ich kaufe mir ein Velo, sobald es geht.“

Doch zunächst folgten Rekrutenschule und Aktivdienst. Auch hier liessen sich die Träume des jungen Mannes nicht realisieren. Die Armee brauchte keinen Artillerietrompeter, sondern einen Büchsenmacher. Immerhin konnte er den Dienst bei der Kavallerie absolvieren. Fotos zeigen den Soldaten stramm und stolz neben einem Pferd. „Bobby hiess er. Leider gehörte er nicht mir. Anders als die Bauernsöhne konnte ich kein eigenes Pferd haben.“

Taggenaue Erinnerung


Das Dienstbüchlein ist voll von roten „Aktivdienst“-Stempeln. Heute noch kommen die Kavalleristen alle zwei Jahre zusammen. Am achtzigsten Geburtstag wurde er gefeiert. „Es waren auch Jüngere dabei“, erinnert sich Herr Seiler mit feinem Humor. Sein Bajonett gab er erst am 6. Dezember letzten Jahres ab – selbstverständlich in Aarau, dort, wo er es am 15. Februar 1940 gefasst hatte. Die Zeiträume, in denen sich das Leben dieses Mannes abspielt, sind lang, und die Erinnerung an die Eckdaten ist taggenau. Beruflich war Herr Seiler bis zur Pensionierung 29 Jahre lang bei der SLM – der Schweizerischen Lokomotive- und Maschinenfabrik Winterthur – als Werkmeister tätig. Seine Frau lernte er bei einem der letzten Wiederholungskurse im Luzernischen Hochdorf kennen. „Der WK dauerte vom 25.10. bis 13.11.1948. 1952 heirateten wir. Es war auch so ein schöner Frühling – wie dieses Jahr.“

Seither wohnt das Paar im Zentrum von Schwamendingen. Wer derart ortsstabil ist, sieht vieles kommen und gehen. „Früher konnte man vom Zoo runter zur Ziegelhütte und den Friedhofhang hinab schlitteln und Skifahren. Das war einmal – jetzt fehlt der Schnee.“ Die Nähe zu Kirche, Post und Einkaufszentren kommt dem Wunsch von Herrn Seiler entgegen, solange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu leben. Das Schönste ist für ihn, der seine leibliche Tochter früh verloren hat, die Kinder der beiden Pflegsöhne aufwachsen zu sehen: „Wie die sich entwickeln und sich selber werden!“

„Fahren Sie gut, Herr Pfarrer“, ruft er mir nach, als ich das Velo besteige, das schon ein Teenager war, als ich zur Welt kam.

Andreas Fischer

Erschienen in: Kirchenbote lokal Nr. 11 vom 25.5.2007

 
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