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Protholischer Kathestant (Clemens Mettler)

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"Dieses elementare Bedürfnis, einen saftigen Reim zu finden": Clemens Mettler, Dichter und Schriftsteller, Pensionär im Wohnheim Kull

Seine Vergangenheit sei streng katholisch gewesen, und es habe eine gewisse Zeit gebraucht, um sich davon zu lösen. Heute erhalte er Anregungen aus beiden Konfessionen. Er sei gleichsam ein „protholischer Kathestant“.

„Das ist e chli en Kalauer“, sagt Clemens Mettler erklärend, als ich verdutzt von meinem Notizblock aufschaue. Er hat sich im Lauf eines langen Schreiberlebens daran gewöhnt, dass sein hier sprühender, dort stiller und stets subtiler Wortwitz nicht sogleich verstanden wird. Die Sätze im Gespräch drechselt er so kunstvoll, dass sie druckreif sind nicht für die Zeitung, sondern für ein literarisches Werk. „Die Selbstbezeichnung als protholischer Kathestant ist eigentlich unzureichend“, sagt er aus dem Stegreif, „weil ich zugleich in die Richtung weiter zu gehen versuche, wo mir die Zukunft des Christentums zu liegen scheint.“ Was heisst das konkret?, frage ich nach.

„In beiden Konfessionen ist das Männische noch immer stark betont“, führt Clemens Mettler aus, „und ich sage bewusst nicht ‚das Männliche’, sondern ‚das Männische’, weil in diesem Begriff das Ideologische solcher Gesinnung deutlich wird.“ Dass die Pfarrerinnen hier in Schwamendingen nicht vom Heiligen Geist, sondern von der Heiligen Geistkraft sprechen, ist ihm positiv aufgefallen. „Auf diese Weise wird das Weibliche in der Dreifaltigkeit hervorgehoben.“

Sensibilisiert für patriarchale Strukturen wurde Clemens Mettler in seiner Kindheit in Ibach in der Innerschweiz: „Der Pfarrer führte sich im Dorf auf wie ein kleiner Gott“, erzählt er. Nur zuhause, da war es anders. Der Vater, ein mausarmer Fabrikarbeiter, tauschte mit einem Freund gereimte Briefe aus. Er war ein Feingeist mit Hang zum Luftibus. Manchmal musste er von der Mutter an den Wirtshäusern vorbei in die Kirche gezogen werden. „Dafür fand er einen inneren Auslauf in Richtung Fantasie – das war sein Ventil.“ Der Sohn spitzte die Ohren und lauschte dem träfen Sprachscherz des verhinderten Künstlers.

Aufs Schreiben geworfen


Clemens besuchte das Gymnasium und nach der Matur die Kunstgewerbeschule Luzern. Er absolvierte ein dreijähriges Studium zum Zeichenlehrer. Kurze Zeit unterrichtete er Deutsch und Zeichnen am Kollegium „Maria Hilf“ in Schwyz, dann zog er nach Zürich und arbeitete auf der Sihlpost. Er beschloss, sich „ganz aufs Schreiben zu werfen“. Lange schrieb er „in die Schublade“, langsam arbeitete er sich vor „zu der Art des Schreibens, die zur Veröffentlichung geeignet ist.“ Sechs Bücher sind es inzwischen – sie sind bei prominenten Verlagen erschienen und alle vergriffen. Am nächsten Buch arbeitet er. Es sei ein „Potpurri aus Prosa und Poesie“ und trage den Titel „Lebensleiter“.

„Äusserlich-biografisch gibt es gar nicht so viel zu erzählen“, sagt Clemens Mettler. „Meine Abenteuer sind innerer Art.“ Sein Weg hierher ins Wohnheim Kull habe an Abgründen vorbei geführt. Er habe runter geschaut, doch sei er nicht runter gestürzt. Dann wendet sich das Gespräch wieder ins Theologische. „Gott ist nicht nur Garant des Geistes, sondern auch der Materie. Der Geist schwingt auch in den Atomen“, entfaltet Clemens Mettler seine faszinierende Weltsicht. Manchmal dekliniere er Christus wie früher im Lateinunterricht: „Christus, Christa, Christum“ – so komme der weibliche und der sächlich-materielle Aspekt der Gottheit zum Ausdruck. Dann fragt er unvermittelt nach der Zeit. „Halb sechs“, antworte ich. Es folgt der ultimative Satz: „Ich habe einen schlechten Zeitbegriff, wenn ich nicht Kontrolle an einem Zifferblatt habe.“

Andreas Fischer

Erschienen in: Kirchenbote lokal Nr. 3 vom 2.2.2007

 
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