Agenda Aktivitäten Begleitung Kontakt Texte und Bilder Predigten Downloads  

Lauf des Schicksals (Hanelore Schwarz)

Hannelore.jpg

Rosen für die Jubilarin: Hanelore Schwarz mit Pfr. Fischer (Foto: Hansruedi Wirz)

„Als ich ein Kind war, gab es bei Laufenburg keine Grenze“, beginnt Hanelore Schwarz ihre Erzählung. Die Fortsetzung lässt einen lange nachdenken über Zufall und Fügung.

  „Ich kam im aargauischen Laufenburg zur Welt. Meine Eltern bauten damals ein Haus im deutschen Laufenburg, deshalb wohnten wir zu der Zeit in der Schweiz. Später kehrten wir dann zurück auf die andere Seite des Rheins. Dort wuchs ich auf. Wir hatten ein Paradies mit Gänsen, Hühnern und einem Bach hinter dem Haus. Zwei Brüder und zwei Schwestern waren wir – ich war die Älteste. Leider endete das Paradies bald.

Plötzlich wurde es relevant, ob man dies- oder jenseits des Flusses lebte. Die Grenzen wurde geschlossen, der Krieg begann. Das glaubst du gar nicht, was ich dir da alles erzählen könnte. Als ich vierzehn war, verliebte ich mich in einen jungen Mann. Der zog in den Krieg, nach Colmar. Ein paar Mal schrieb er mir, dann nicht mehr. Er kam nie mehr zurück. Und ich war nie mehr so verliebt in meinem Leben.

1944 kamen die Franzosen. Sie nahmen Quartier im Spital Säckingen, wo ich mein Pflichtjahr absolvierte. Das Parterre musste geräumt werden. Dort hockten diese Soldaten mit ihren Mätressen. Wenigstens liessen sie uns in Ruhe, doch es war jeweils schon ein Spiessrutenlaufen, wenn man da durchgehen musste.

In der Nachkriegszeit war es auch nicht leicht. Ich erinnere mich, wie ich zusammen mit meiner Schwester mit einem Wägelchen zu den Bauern ging. Es waren entfernte Verwandte von uns. Doch wir erhielten nichts.

Dann, 1947, fand in Säckingen ein Töffrennen statt. Abends, beim Tanz im Vereinshaus, war auch einer von ennet der Grenze dabei. Irgendwie hatte er einen Weg an den französischen Wächtern vorbei über die Brücke gefunden. So lernte ich meinen Mann kennen.

Grüne Grenze

Die Kontakte über den Rhein wurden häufiger. Schliesslich, an Allerheiligen 1949, kam ich über die grüne Grenze bei Grenzach in die Schweiz. Ostern 1950 verlobten wir uns, ein Jahr später folgte die Heirat. Mein Mann arbeitete als Zahntechniker im damals noch bernischen Laufen, ich selber bügelte und putzte für die Frau Doktor im Dorf. Als wir wegzogen, brauchte sie nachher zwei Haushaltshilfen. Die Zeit dort war schön. Von meinem Zustupf kauften wir uns einen Roller, und damit sausten wir im Jura herum.

Doch meinen Mann zog es zurück in die Nähe seiner Heimatstadt Winterthur. Er fand eine Stelle, und1958 zügelten wir nach Schwamendingen. Bald darauf kamen die Kinder zur Welt, Urs und Eveline. Urs arbeitet heute auf der Börse, Eveline ist diplomierte Psychiatrieschwester. Ausserdem praktiziert sie seit vielen Jahren Vipassana, eine buddhistische Meditationsform, und ist inzwischen autorisierte Lehrerin.

Meditation, Stille, Gebet – das ist auch für mich wichtig. Nach dem Tod meines Mannes zog ich mich zu einer zehntägigen Retraite in ein Zentrum im Schwarzwald zurück. Mein Mann hatte Parkinson, und ich pflegte ihn viele Jahre. Der Tod war eine Erlösung, doch nach fünf gemeinsamen Jahrzehnten blieb ich traurig und ziemlich leer zurück. Das Schweigen im Schwarzwald half mir, Abschied zu nehmen. Kennst du diesen Spruch von Gottfried Keller: „Leiden, Irrtum und Widerstandskraft halten das Leben lebendig“? Ich weiss nicht, ob das für alle Menschen zutrifft, aber bei mir ist es so.

In Schwamendingen lebe ich gern. Ich engagiere mich in der Kirchgemeinde, serviere bei Seniorennachmittage, mache Kaffe bei Musik-Wort-Stille, nehme an der ökumenischen Gesprächsgruppe teil. Aber mit meiner alten Heimat bin ich halt schon tief verbunden. Mindestens einmal im Jahr fahre ich über den Rhein nach Laufenburg. Und dieses Jahr werde ich dort meinen Achtzigsten feiern.“

Aufzeichnung: Andreas Fischer

Erschienen in: Kirchenbote lokal Nr. 9 vom 27.4.2007

 
Die Gemeindeseite als PDF-Dokument
mehr...
Sommergottesdienste "Stein um Stein"
mehr...
Fotos von vergangen Anlässen
mehr...
Die Website finden Sie hier
mehr...
Nächste Anlässe:
Bibelteilen
Am 23.10.2019 um 12:00 Uhr
Kirchgemeindehaus, Stettbachstrasse 58, Pfarrteam
mehr...
Malatelier für Kinder und Jugendliche mit einer Beeinträchtigung
Am 23.10.2019 um 14:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Nora Wittlinger
mehr...
Malatelier für Kinder und Jugendliche mit einer Beeinträchtigung
Am 23.10.2019 um 15:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Nora Wittlinger
mehr...
Bildungsabend
Am 23.10.2019 um 19:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Jiri Dvoracek, Pfarrer
mehr...
Erste Kirchenkreisversammlung
Am 24.10.2019 um 19:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Andi Stoll, Präsident Kirchenkreiskommission
mehr...
Musikalische Vesper
Am 25.10.2019 um 19:00 Uhr
Kirche Saatlen, Saatlenstrasse 240, Kirchenmusik- und Pfarrteam
mehr...
Gottesdienst mit Taufe
Am 27.10.2019 um 10:00 Uhr
Alte Kirche St. Niklaus, Pfarrteam
mehr...