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Rüstig und witzig (M.Sch.)

Ich läute mehrmals, bis die Tür aufgeht. Die Frau, vermute ich, hört nicht mehr gut. Doch dann erklärt mir M. Sch., das Haus habe keine automatische Öffnung.

Mindestens drei Mal am Tag gehe sie die Treppen vom vierten Stock runter und rauf. „Zuerst für die Zeitung, dann für die Post“, rate ich richtig. Weiter weiss ich nicht. „Das dritte Mal für den Ausgang“, hilft mir die alte Dame auf die Sprünge.

Frau Sch. ist am 19. 9. vor 91 Jahren zur Welt gekommen. Wir haben am selben Tag Geburtstag. Ihre Bereitschaft, sich für den Kirchenboten porträtieren zu lassen, ist als Geburtstagsgeschenk zu verstehen – „und bitte – ohne Foto und Namen“, ergänzt sie energisch. Frau Sch. kann resolut sein. Wer die Haustür nicht schliesst, bekommt es mit ihr zu tun. Eine Zeitlang habe sie jede Nacht um zehn Uhr noch kontrolliert, ob die Tür wirklich geschlossen sei. Die Mitbewohner, insbesondere die Stewardess im obersten Stock, danken es ihr. In den sage und schreibe 63 Jahren, die sie nun hier lebt, ist in diesem Haus noch nie eingebrochen worden.

„Die Energie“, sagt Frau Sch., „habe ich von der Mutter, den Humor vom Vater.“ Sie erzählt einen Witz von einem Mann, der Kopfschmerzen hat, weil der Heiligenschein ihn drückt. Ob sie auch einen Heiligenschein habe, frage ich. „Ich hoffe nicht“, antwortet sie verschmitzt. „Kopfschmerzen habe ich allerdings schon, aber eher wegen des Wetters.“ Der Humor verlässt sie auch angesichts des Todes nicht. Als sie eine Freundin am Sterbebett besuchte, sagte sie zu ihr: „Du hast ein Nachthemd an wie für die Hochzeitsnacht.“ Da habe die sonst nicht mehr ansprechbare Frau geschmunzelt.

Rezept gegen Rappel


Acht Jahre pflegte Frau Sch. ihren alzheimerkranken Mann, bis sie wegen eines Unfalls selber ins Spital musste. „So, jetzt hat das Schicksal eingegriffen“, sagte der Chefarzt des Waidspitals damals. „Jetzt können Sie ihn wirklich nicht mehr bei sich haben.“ Im Pflegeheim machte der Mann sich manchmal nachts mit Hut und Mantel auf den Weg. „Er suchte mich; wenn ich bei ihm war, lief er nicht davon.“ Es sei halt eine tiefe Verbindung entstanden. Mehr als ein halbes Jahrhundert seien sie miteinander unterwegs gewesen, seit sie sich in Paris kennen gelernt hatten. „Es war eine riesige Veranstaltung mit achthundert Leuten. Er spielte Akkordeon, so ein riesiges Akkordeon, das teurer war als ein Mittelklassewagen. Meine Freundin und ich trugen Schwiizer Chäppli, deshalb sind wir ihm aufgefallen. Ja, so haben wir uns kennen gelernt. Das war anno 1939, kurz bevor der Krieg ausbrach.“

Trotz mancher Gebrechen sieht Frau Sch. das Leben positiv. Ein paar einfache Grundsätze helfen ihr dabei: „Man muss nicht verbittert werden, wenn nicht alles so läuft, wie man will“, sagt sie. Und: „Ich stehe jeden Morgen auf. Ich tue anderen etwas zuliebe, wann und wo ich kann. Und wenn ich den Rappel habe, dann gehe ich trämle.“

Andreas Fischer

Erschienen in: Kirchenbote lokal Nr. 18 vom 22.9.2006

 
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