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Der Kirchenmusiker (Franz Enderle)

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Die erste Begegnung mit dem Doyen der Schwamendinger Kirchenmusik war akustischer Art. Ich sass in einer der vorderen Bänke der Alten Kirche St. Niklaus. Hinter mir ertönte eine gewaltige Bassstimme.

Nach dem Gottesdienst kam mir das Gerücht zu Ohren: Hast du gehört? Franz Enderle war heute hier. Monate später treffen wir uns zum Gespräch. Er kommt vom Mittagessen mit Schwamendinger Freunden. Später am Nachmittag wird er sich mit Ehemaligen des Eisenbahnerchors treffen. Den Chor, erwähnt Enderle beiläufig, habe er dreissig Jahre dirigiert. Kirchenmusiker in Schwamendingen war er 34 Jahre lang. Der Abschied am 30. September 1989 ist mit einer von Kirchenpflege und Konvent unterzeichneten Urkunde und rührenden Briefen im lokalen Kirchenboten dokumentiert. «Dein Anliegen war, Gott zu loben mit der herrlichen Gabe der Musik», schrieb etwa Pfarrer Gery Ritz. Enderle selber beschreibt sein Wirken in der Gemeinde kokett als «Belästigung von insgesamt 25 Pfarrpersonen».

Tatsächlich befanden sich Kanzel und Orgelempore nicht immer in eitler Harmonie. Spätestens als von pastoraler Seite der damalige Kirchenhit «Danke» («Danke für diesen guten Morgen» etc.) gewünscht wurde, war das dem Künstler des Ungeniessbaren zuviel. Enderle mochte der neumodischen Tendenz, «die von der Strasse» mit «Sacropop» in die Kirche zu locken, keinen Sinn abzugewinnen. Er wusste sich zu helfen: Er spielte das Stück derart langsam, dass selbst dem stursten Pfarrer die Lust aufs Danken verging.

Franz Enderle kam vor 83 Jahren in Wipkingen zur Welt. Der Vater war Gärtner und Bauarbeiter. Die Mutter förderte die musikalische Bildung des Jungen mehr als diesem lieb war: «Ich wäre lieber go tschutte», erinnert sich Enderle lachend. Franz nahm Gesangsunterricht, besuchte das Konservatorium, wurde Sänger am Stadttheater Luzern. Dort studierte er Kirchenmusik.

Dort lernte er auch seine Frau Lilly kennen. Die professionelle Tänzerin übte im Ballettsaal des Stadttheaters Klavier. Franz setzte sich zu ihr, die beiden spielten vierhändig, es war der Anfang einer eigentlichen Musikerdynastie, die später das kirchenmusikalische Leben in Schwamendingen über Jahrzehnte geprägt hat. Zusammen mit den drei Kindern – heute allesamt Berufsmusiker – gaben die Enderles Familienkonzerte. Lilly begleitete auf Orgel, Cembalo und Flöte die Kantorei und das Orchester, die beide von Franz dirigiert wurden. Franz Enderle selber spielt eine unüberschaubar grosse Zahl von Instrumenten. Mit Cello etwa begann er, weil im Estrich einer Bekannten ein verstaubtes Instrument herumstand. «Und dass ich Geige spiele, dürfen Sie nicht schreiben – das würde der Geige wehtun.»

Heute leben Franz und Lilly Enderle in Anzonico im Tessin, abgelegen, auf 1000 Metern über Meer. Ein Auto haben sie nicht. «Das Fernsehen gibt einem viel: Man kann da oben auf dem Hügel grosse Gottesdienste und Konzerte miterleben.» Ausserdem orgelt Franz Enderle oft in nahegelegenen Kirchen. «Zwei Drittel dessen, was ich einmal konnte, sind für mich nicht mehr erreichbar. Das macht mich traurig, das ist halt der Schatten des Älterwerdens. Doch bei den Gottesdiensten merke ich, dass es darauf offenbar gar nicht so ankommt. Die Leute empfinden das anders.» Ob im Himmel auch musiziert werde? Er sei da kitschig, sagt der grossgewachsene Mann mit dem weissen Bart, es berühre einen halt schon bei bestimmten Werken, beim Mozart-Requiem zum Beispiel. Da komme eine andere Dimension zum Tragen. Bei den Beatles, setzt er an zur letzten Spitze vor dem Abmarsch, bei den Beatles sei das nicht der Fall.

Andreas Fischer

Erschienen in: Kirchenbote lokal Nr. 1 vom 11.1.2008

 
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