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B3n (Benjamin Nüssli)

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Kruzifix, Rap, FCZ: Beni in seiner Welt

Die Tür öffnet sich, eine Hand streckt sich mir entgegen. Ob ich Kaffee wolle? Mit Zucker? Mit Milch? Der zuvorkommende Empfang macht Mut zu steilen Fragen. Also steig’ ich im Katechismus-Stil ein: Glaubst du an Gott?

«Ja, ich glaube an Gott», lautet Beni Nüsslis gelassene Antwort. Und was ist das, Gott? «Etwas Helles, das immer leuchtet, auch wenn’s dunkel ist. Man spürt’s nicht, aber es ist trotzdem da. Es ist fast wie Luft.» Und Jesus? «An Jesus glaube ich schon auch. Aber die Geschichten, die in der Bibel stehen, können nicht immer stimmen», leitet der Konfirmand seine Antwort ein. Sie zeugt von differenzierten Kenntnissen. Die Bibel sei ja erst Jahrzehnte nach Jesu Tod geschrieben worden. Wenn man das vergleiche mit Menschen, die den Krieg erlebt haben und heute davon berichten, dann werde deutlich, dass die Erinnerung manchmal täuscht. Ausserdem habe Jesus aramäisch gesprochen, und das sei später übersetzt worden auf griechisch, auf lateinisch und in die modernen Sprachen. Da habe es sicher Übersetzungsfehler gegeben.

Jesus und Che
«Aber ich glaube schon, dass er gelebt hat. Und er hatte eine gute Botschaft. Er hat sich für alle eingesetzt. Meiner Meinung nach gibt es nur einen einzigen Menschen, der ihm nahe kommt, das ist Che Guevara.» Che, der kubanische Revolutionär und Guerillaführer. Was ihn mit Jesus verbinde, frage ich. «Beide waren gescheite, gebildete Leute, beide wurden zu stark und deshalb aus dem Weg geräumt. Und beide hatten eine Vision vom neuen Menschen, der nicht auf materiellen Reichtum aus ist, sondern an einer besseren Welt mitarbeiten möchte.» Aber Jesus verfolgte einen konsequent gewaltlosen Weg, wende ich ein. «Das stimmt», antwortet Beni, «doch auch Che war zuerst gewaltlos, er war Arzt, erst später griff er zur Waffe.»

Wenn er im Sommer die Sek A abgeschlossen hat, wird Beni ein Praktikum als Kleinkinderzieher in der Kinderkrippe Güxi beim Schwamendingerplatz beginnen. Er scheint ernst zu machen mit dem Ideal vom neuen Menschen. Er wisse, dass man als Hortner nicht reich wird, dafür sei es eine sinnvolle Arbeit.

Weiter im Katechismus: Wie erlebst du die Kirche? Einmal hätten sie mit der Konfgruppe die Streetchurch besucht, das habe ihm gut gefallen. «Da ging es viel lockerer zu als bei uns. Da waren verschiedene live acts und ein DJ, sogar während der Predigt lief coole Musik im Hintergrund, auf diese Weise hört man viel eher zu. Es ist, wie wenn du ein Buch lesen müsstest, das machen viele Jugendliche auch nicht gern, ich jedenfalls nicht, aber wenn der Text umgesetzt ist in ein Lied, dann hörst du zu, dann ist es viel leichter, die Botschaft aufzunehmen.»

Den Code entschlüsseln
Ein Beispiel? Beni nimmt seinen MP3-Player hervor und lässt einen Song des Rappers Sido laufen. «Mein Testament» heisst er, und tatsächlich: Hier wird in derbem Slang und auf treibendem Beat Tiefgründiges ausgesagt:

«Das ist mein letzter Wille
man weiss ja nie
es kann morgen schon vorbei sein
vielleicht kommt er mich morgen schon holen
egal ich hab mein Testament geschrieben
hier hörts euch an:

Ich hab mit ganzer Kraft
versucht ein guter Mensch zu sein
doch es war wohl an der Zeit
Gott holt mich endlich heim
ich hab mein’ Frieden gefunden
er hat mir Flügel geschenkt
ich kann es spür’n wenn ihr an mich denkt ...»

Zum Fototermin geht’s in Benis Zimmer. An den Wänden hängen, neben Panini-Bildern, Poster von amerikanischen Hiphop-Grössen. «B.I.G., Tupac – die meisten sind tot», erklärt Beni, «ermordet». Über dem Bett hängt ein Kruzifix. Das habe er immer schon dort gehabt. Es sei für ihn wie ein Schutzengel, ein Traumfänger. Bevor ich gehe, frage ich nach der E-mail-Adresse, damit ich ihm den Entwurf des Porträts schicken kann, bevor es veröffentlicht wird. b3n_nq4e@hotmail.com, diktiert er Zeichen für Zeichen. Dann entschlüsselt er mir den Code: nq ist ein Kürzel für «dreihundert» in albanischer Sprache. So nennen er sowie sein albanischer und sein nigerianisch-türkischer Schulfreund ihre Gruppe. 4e heisst «for ever», die ersten drei Buchstaben bedeuten nichts anderes als: Ben, Beni, Benjamin.

Andreas Fischer

Erschienen in: Kirchenbote lokal Nr. 10 vom 16.5.2008

 
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