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Der Fussballer (Florian Stahel)

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Fan des Klubs, für den er spielt: Florian Stahel, Verteidiger beim FCZ

Nein, liebe Leserinnen und Leser des lokalen Kirchenboten, ganz bleiben auch Sie nicht verschont. Ein Beitrag zum Thema Fussball MUSS sein in diesen Tagen, wo Gott seine Kugelförmigkeit offenbart. Indessen kann das Thema kaum auf unaufgeregtere und sympathischere Weise daher kommen als in Form eines Gesprächs mit Florian Stahel.

Für jene, die wirklich nicht wissen, wer Florian ist: Er ist mit seinen gerade mal 23 Jahren Stammspieler beim FCZ und hat mit dem Stadtklub schon zweimal die Meisterschaft und einmal den Cup gewonnen. Ich steige also aufs Velo und fahre gen Saatlen. «Familie Stahel» steht bei der Klingel, beim Briefkasten die Namen der Eltern und der drei Söhne. Der Vater ist Kirchenpfleger, die Mutter Präsidentin des Kirchenchors, in dem ich selber singe. Die Eltern öffnen die Tür. Hinter ihnen mustert mich Florian mit hellen blauen Augen.

Es gebe ein Leben ausserhalb des Fussballs, definitiv, sagt er wenig später in der Stube. Er brauche das, die Familie, die Kollegen, die Freundin. Extrem gesagt, führe er zwei verschiedene Leben. Das eine ist das eines Fussballprofis, das andere wirkt so normal wie irgend vorstellbar: Florian isst gern – das habe er vom Vater geerbt. Was, frage ich. Alles, sagt er zuerst, dann: thai, dann: italienisch. Er geht ins Kino, jasst, spielt Tennis. Sein Lieblingsgetränk ist Rivella.

Die vierjährige Lehre als Hochbauzeichner hat er erfolgreich abgeschlossen. «Man weiss nicht, wie lange man Fussball spielen kann», sagt er zur Erklärung, weshalb er nicht schon als Teenager alles auf eine Karte setzte. «Allerdings weiss ich auch nicht, wie viel die Lehre in zehn Jahren noch wert ist. Aber ein Lehrabschluss ist allemal gut. Er zeigt einen Charakterzug, er zeigt, dass du dich durchbeissen kannst.»

Stahels stählerner Wille
Kampfkraft und stählerner Wille sind auch im Fussball Florian Stahels Stärken. «Bei den Junioren gab es andere mit mehr Talent, doch das reicht eben nicht. Das Mentale spielt eine grosse Rolle. 50% spielen sich im Kopf ab. Wenn du nicht rennen willst, geht’s nicht. Das ist wohl mein Vorteil, dass ich immer bereit bin, alles zu geben. 100% Vollgas im Training und bei den Spielen. In Brasilien ist diese Einstellung weit verbreitet. Die spielen auf der Strasse und hoffen, irgendwann entdeckt zu werden. Fussball ist ihre einzige Chance. Da gehst du anders an die Sache ran als hier in der Schweiz. Vielen hier fehlt der letzte Biss, sie sind zu satt.»

Weshalb er es geschafft habe, frage ich. «Die Eltern waren wichtig. Sie setzten mich nie unter Druck. Es kann ein Problem sein, wenn die Eltern unbedingt wollen, dass du Karriere machst. Meine Eltern liessen mich machen, was ich wollte und konnte.»

Nächstes Thema: Die Spieler mit südamerikanischen oder afrikanischen Wurzeln sind oft religiös und zeigen das auch. Du? «Es ist nicht so, dass ich vor dem Einschlafen oder vor dem Spiel bete. An eine höhere Macht glaube ich schon, doch dass sie mir hilft, einen Match zu gewinnen, da bin ich mir nicht so sicher. Aber ich verstehe mich als Christ, bin getauft und konfirmiert. Manchmal fragt man sich, weshalb der muslimische Kollege vor der Abfahrt im Mannschaftsbus plötzlich unbedingt noch beten muss. Aber wenn man dann sieht, was er auf dem Platz bringt, dann wartet man gern fünf Minuten. Die Multikulturalität im Team ist überhaupt eine interessante Sache. Man lernt verschiedene Gewohnheiten kennen. Ein Finne hat eine andere Mentalität als ein Nigerianer.»

Es gibt Lasagne
Deine Pläne? «Ich war immer schon FCZ-Fan. Für den eigenen Klub zu spielen ist schön. Ich bin stolz, mit diesem Leibchen auflaufen zu können. Wenn wir verlieren, regt mich das vielleicht schon mehr auf als einen Spieler, der hier nur auf der Durchreise ist zu einem grösseren Klub. Die Fluktuation ist hoch. Mit 23 Jahren bin ich vom aktuellen Kader der, welcher am meisten Spiele bestritten hat. Inzwischen bin ich so etwas wie ein stabiler Faktor im Team geworden, der Trainer hat mich zum dritten Kapitän ernannt.»

Selber auf dem Sprung ins Ausland? «Ich weiss nicht, wie ich mich entscheiden würde im Fall eines Angebots aus Deutsch- oder England. Aber klar ist, dass ich auf vieles verzichten müsste. Mit der Freundin eine Fernbeziehung führen, die Zürcher Kollegen nur noch alle Monate einmal sehen – das müsste man sorgfältig abwägen.»

Was ist wichtig im Leben? «Gesundheit», antwortet Florian schnell. Und dann, nach längerem Nachdenken: «Wir vergessen in der Schweiz, wie gut es uns geht. Wir können uns Sachen leisten, von denen andere nur träumen, und meinen, das sei normal. Man müsste das mehr schätzen, Dankbarkeit wäre ein wichtiger Wert.»

Vorsichtig fragt Florian, ob mir seine Antworten genug Stoff geben. «Ja, klar», sage ich, und packe meine Sachen zusammen. «Du bleibst aber schon noch zum Essen», sagt er, «es gibt Lasagne.»

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 13 vom 27.6.2008

 
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