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Der Jugendarbeiter (Heinz Walder)

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Friedvolle Präsenz: Heinz Walder mit Hündin Aiso

Das Cherzehüsli feiert sein dreissigjähriges Bestehen. Einer seiner Initianten ist Heinz Walder, der zwanzig Jahre lang als Jugendarbeiter in unserer Gemeinde tätig war. Man trifft sich im Foyer des Kirchgemeindehauses, wo einst die ersten Kerzen gezogen wurden.

Dass das Cherzehüsli heute eine Baracke ist, sei einem Streit zu verdanken, erinnert sich Heinz Walder lachend. Er sei halt eher ein Macher als ein Bürokrat. Um feuerpolizeiliche Vorschriften habe er sich nicht gekümmert. Doch dann sei er von Teilnehmern eines Chlausnachmittags im Saal mit drastischen Worten darauf hingewiesen worden, dass das, was er da mache, lebensgefährlich und verboten sei – und fürchterlich stinke. Darauf habe man von einer Baufirma die Baracke zunächst für den symbolischen Preis von jährlich einem Franken gemietet und später gekauft.

Das Cherzehüsli ist wohl so etwas wie der Kristallisationspunkt der kirchlichen Jugendarbeit, wie Heinz Walder sie versteht. Kirche, sagt er, soll Heimat bieten. Das sei zwar nur eine Ecke des gesamten Kirchenbildes, doch in dieser Ecke, da könne er sich engagieren. Er habe die Gene seines Grossvaters, der die Filiale des Konsumvereins in Hinwil leitete: „Der war so etwas wie der ungewählte Friedensrichter im Dorf.“ Die Projekte, die der gelernte Sozialarbeiter in Schwamendingen realisierte, gehen in dieselbe Richtung.

Hundert Töffli vor der Roswise
Es war die Zeit der Discos, also fand im Begegnungszentrum Roswise am Freitagnachmittag jeweils eine Disco statt mit DJs verschiedener Stilrichtungen. „Ich habe“, beschreibt Walder seine Rolle, „vor Ort den Vermittler gespielt. Das ist eine Haltung, die man leben muss. Man muss den Jugendlichen klar machen: Ihr könnt die Räume nutzen, und die anderen können sie auch nutzen.“

Hundert Töffli standen in der Blütezeit jeweils vor der Roswise. Die Bevölkerungsumschichtung hat dann in kurzer Zeit zu einer massiven Verkleinerung der Teilnehmerzahlen bei verschiedensten Angeboten im Kinder- und Jugendbereich geführt. Doch das Cherzehüsli ist ein Grossanlass geblieben bis zum heutigen Tag. Der entscheidende Punkt sei für ihn immer das Klima gewesen, nicht das Organisieren: „Man musste präsent sein. Mir wurde manchmal eine ‚Laisser-faire‘-Haltung vorgeworfen. Doch dem war nicht so. Wir haben viel gestritten, und eben so sind die besten Beziehungen entstanden. Mein Anliegen war immer die Auseinandersetzung, das Ringen um Einsicht, nicht das blosse Durchdrücken von Regeln.“ Es entstand so etwas wie eine Cherzehüsli-Community, die bis heute weiterlebt. Die Kinder von damals kommen zurück mit ihren eigenen Kindern. Solche, die fortgezogen sind, stehen plötzlich an einem Wochenende wieder da.

Die Entwicklungen der Kirche und der kirchlichen Jugendarbeit beobachtet Heinz Walder mit kritischer Distanz. Kirche, sagt er, beziehe keine Position, schweige, wo sie reden müsste. Bei der Schwamendinger Jobvermittlung Glattwägs, die er selber einst mitinitiiert hat, hilft er heute noch manchmal aus. Dabei fällt ihm die extreme Polarisierung auf: „Die einen haben mit 26 Jahren alles, sind schon ganz oben auf der Karriereleiter angelangt. Die anderen haben nichts. Entweder ‚Super‘ oder ‚Wehe‘, das ist doch ein Missstand.“ Und es gäbe noch einen Haufen anderer Themen, bei denen die Kirche endlich den Mund auftun sollte.

„Die Freundliche“ an Walders Seite
Für sich selber hat der Vater von fünf Kindern eine Arbeit gefunden, die ihm rundum entspricht. Er transportiert jahraus, jahrein behinderte Jugendliche zur Schule und wieder nach Hause. Deren Entwicklung wahrzunehmen, das sei „riesig“. Und er müsse keine Überzeugungsarbeit mehr leisten, keine Konzepte mehr schreiben für irgendwelche Gremien. Gefragt sei sein Dasein und die Basisarbeit, deren Sinn jedem einleuchte.

An Heinz Walders Seite sitzt sein japanischer Spitz. Die Züchterin, erzählt Walder, nannte die Hündin „Aiso“, was „Die Freundliche“ bedeute. Das beschreibe das Wesen des Tieres präzis. Aiso sei ideal für die Behinderten, die sie wegen ihrer Spasmen manchmal eher schlagen als streicheln. Aiso bleibt freundlich. Und diese Art friedvoller Präsenz scheint auch Heinz Walders Anliegen zu sein.

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 21 vom 31.10.2008

 
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