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Die Verkäuferin (Susanne Cosatto)

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Vom 1. März bis Ostern verkauft unsere Quartiersbäckerei Karrer ihr Maisbrot für einen zusätzlichen Franken. Dieser geht an die Aktion „Brot für alle“ der kirchlichen Hilfswerke. Eine der Verkäuferinnen, Susanne Cosatto, arbeitet seit 36 Jahren bei Karrers.

Neunzehn Jahre alt war sie, als sie – nach einem Abstecher ins Welschland – aus einem Dorf im Bernbiet nach Zürich kam. Sie hatte in einem Inserat gesehen, dass eine Bäckerei eine Verkäuferin sucht. Es war Feierabend, als sie sich Herrn Karrer Senior vorstellte. Man trank einen Kaffee, einigte sich per Handschlag. Das war 1972. „Heute“, meint Frau Cosatto, „wäre das nicht mehr möglich. Es ist alles komplizierter geworden“.

Sie erhielt ein Zimmer im oberen Stock, auch das war damals so üblich. Eine andere Mitarbeiterin, die ebenfalls dort wohnte, hatte einen Cousin, einen Autospengler italienischer Abstammung. Der schaute manchmal vorbei, und so kam es, dass aus dem Fräulein Häni Frau Cosatto wurde. Man zog in eine Wohnung ganz in der Nähe der Bäckerei. 1978 kam die Tochter zur Welt. Frau Cosatto arbeitete weiter, zunächst an den Wochenenden, wenn der Mann das Kind hütete, später achtzig, zwischendurch hundert, heute wieder achtzig Prozent. Auch als Karrers ihr Geschäft an die nächste Generation weitergaben, blieb sie.

Es gibt Kunden, die sie als Babies in den Armen ihrer Eltern kennen gelernt hatte. Heute tragen sie selber Babies im Arm. Frau Cosatto gehört gleichsam zum Inventar der Bäckerei. Wenn sie nach den Ferien zurückkommt, sagt schon mal einer, er hätte nun bald eine Vermisstmeldung aufgegeben. Solche Zeichen der Wertschätzung freuen die Verkäuferin, auch die charmanten Komplimente, die sie manchmal für ihren Berner Dialekt erhält.

Das Gschpüri
Was eine gute Verkäuferin ausmache, frage ich. Dass sie ihren Job gern tut und freundlich mit den Kunden ist, lauten die ersten Antworten. Dann fügt Frau Cosatto hinzu: „Es braucht Menschenkenntnis. Du musst spüren, mit wem du es zu tun hast. Mit wem du einen Spass machen kannst und mit wem eben nicht. Bei manchen merkst du sofort, wenn sie reinkommen: Da musst du vorsichtig sein! Man kann das nicht lernen, das hat man oder man hat es nicht, dieses Gschpüri für die einzelnen Kunden. Es hat etwas mit Einfühlungsvermögen zu tun.“

Zu manchen Kunden sei ein freundschaftliches Verhältnis entstanden. Da sei es möglich, Witze zu machen. Einer, der kürzlich verstorben ist, kam in der Weihnachtszeit jeweils abends um halb vier in die Bäckerei. Ein normaler Arbeitstag von Frau Cosatto beginnt morgens um sieben und endet mittags um halb zwei. Doch Weihnachtszeit bedeutet für Verkäuferinnen Überzeit. Also war Frau Cosatto noch da, und also sagte der ältere Herr zu ihr: „Jetzt gehst du dann heim, gäll!“ Sie: „Jetzt habe ich dich ja gesehen, jetzt kann ich gehen.“ Er: „Was machst du eigentlich mit all dem Geld, das du da verdienst mit deinen Überstunden?“ Sie: „Hab keine Sorge, ich schick dir den Lohn.“

Seit vier Jahren sind Cosattos Grosseltern. Die Tochter ist in Holland verheiratet. Manchmal besuchen sie sie dort. Und manchmal gehen die Gedanken über die Pensionierung hinaus nach Holland. Vielleicht werde man sich dort, in der Nähe der Nachkommen, niederlassen. Doch zurzeit arbeitet Frau Cosatto noch, und das mit Freude. Unsere Brotaktion, versichert sie mir, finde sie eine gute Sache. Und sie finde Anklang bei der Kundschaft, man höre nur Positives. Ein schöner Nebeneffekt sei, dass man das Maisbrot jetzt kenne und schätze. Es komme vor, dass alle Maisbrote verkauft seien. Dann sage sie, man könne auch für ein anderes Brot einen zusätzlichen Franken spenden.

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 5 vom 27.2.2009

 
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