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Die Vikarin (Stina Schwarzenbach)

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Stina Schwarzenbach ist braungebrannt und entspannt. Man sieht ihr nicht an, dass sie tief in den Prüfungsvorbereitungen steckt. Bald, wenn alles gut geht, ist das Bücherwälzen vorbei. Mitte September wird sie ihr Vikariat bei uns beginnen.

Auch abends um acht ist es noch hell und heiss an diesem Hundstag Mitte August. Wir sitzen auf dem Balkon der Wohnung in Oberstrass mit Sicht ins Limmattal und den Sonnenuntergang. Valentin, der vor achtzehn Monaten zur Welt gekommen ist, schläft schon. Die dreijährige Emma klammert sich noch an Stina. Der Gedanke ans Bett gefällt ihr nicht, ebenso wenig die Vorstellung, dass die Mutter Pfarrerin wird. Dabei ist Emma ein frommes Kind. „Wann gehen wir wieder in die Kirchenglocke?“, fragt sie manchmal. Doch zu ihrem kindlichen Wortschatz gehören eben auch schon Begriffe wie „Sitzung“ und „Kurs“, und die Kleine hat schnell begriffen, was damit gemeint ist: Mama weg.

Stina Schwarzenbach ist gegenüber der Meilemer Kirche aufgewachsen. Vom Esstisch im Elternhaus sieht man die Kirchenuhr. „Die Kindheit“, erzählt sie, „war fast schon paradiesisch. Wir waren fünf Geschwister, hatten Chüngel und einen Hund und badeten viel im Zürichsee.“ Die Mutter war Primarlehrerin, der Vater Privatdozent für Germanistik an der Uni und Rektor der Kanti Wetzikon. Seine Dissertation gilt heute noch als Standardwerk der Dialektforschung. Erst vor etwa einem Jahr hat Stina erfahren, dass ihr Urgrossvater Pfarrer war. „Dass es so etwas wie eine familiäre Berufung gibt“, sagt sie lächelnd, „war mir vorher nicht bewusst.“

Ihr Weg folgte zunächst den Spuren des Vaters. Sie studierte Germanistik sowie Italienisch im Nebenfach. In ihrer Dissertation untersuchte sie die deutschen Übersetzungen eines italienischen Barockromans. Später begab sie sich in Welten, die ihr von Haus aus fremd waren, nahm teil an einem Traineeship der Zurich Financial Services für Quereinsteiger ins Management und arbeitete für die renommierte Agentur Farner PR – „das sind die, die behaupten, sie könnten auch aus einem Härdöpfelsack einen Bundesrat machen“.

Coup de foudre
In jene Zeit fiel die Hochzeit mit Yves. Ein coup de foudre sei’s gewesen, ein Blitzschlag, als man sich 1995 kennengelernt hatte, sie Platzanweiserin, er Besucher im Opernhaus. Bald war klar, dass man heiraten möchte. „Doch wir hatten kein Geld, und wir wollten ein grosses Fest machen mit all unseren Freunden.“ 2003 war’s dann soweit. Die Hochzeit hatte eine überraschende Nebenwirkung. Stina kam über die Freundin, die die Trauung vollzog, in näheren Kontakt mit dem Pfarrberuf – und fing an, sich dafür zu interessieren: „Ich stellte fest, da geht’s ums Leben in all seinen Facetten, in der ganzen Spanne von der Geburt bis zum Tod. Alles, was mich interessiert, ist in dem Beruf enthalten: Menschen und Denken, Sprache, Musik und so weiter. Und ich kann für meine eigene Sache einstehen, nicht wie in der Kommunikationsbranche, wo ich nur die Inhalte anderer transportiert habe.“

Welche Inhalte ihr wichtig seien, frage ich. „Das wichtigste ist für mich das Vertrauen“, antwortet Stina, „die Gewissheit, von etwas getragen zu sein – nicht von etwas, von Gott. Alles andere, die ganze Theologie, Christologie, Trinitätslehre etc. ist demgegenüber sekundär.“
Weiter sagt sie, die Frage, warum es in der Welt Leiden gibt, wenn Gott doch gut ist, treibe sie herum. „Ich habe Angst, dass hierzu Antworten von mir erwartet werden, die ich so nicht liefern kann. Ich fühle mich überfordert mit dieser Frage und empfinde es als Trost, dass die Menschen damit schon immer überfordert gewesen sind.“

Kann man im Himmel telefonieren?
In Stina Schwarzenbachs Schlussarbeit geht es um Seelsorge mit Kindern im Spital. Bei den Recherchen fiel ihr auf, dass Kinder diese Frage nach Gott und dem Leiden so gar nicht stellen. Stattdessen will ein sterbendes Kind etwa wissen, ob man „dort auch telefonieren“ könne. Stina ist überzeugt, dass diese Art von Bildsprache – ebenso wie der ganze Bereich der nonverbalen Kommunikation – ein spannendes und noch nicht ausgelotetes Thema der Seelsorge ist.

Was sie lernen möchte im Vikariat, frage ich. „Wie’s ist, Pfarrerin zu sein“, lautet die Antwort. „Ich möchte sehen, wie man’s machen könnte, möchte auch erleben, wie eine Gemeinde als ganze, als Organismus lebt.“ Und sie hofft, darin viel Positives zu finden – Impulse, die einer verbreiteten Meinung zuwiderlaufen, auf die sie immer wieder trifft: dass sie da ein sinkendes Schiff besteige, dass die Kirche doch ein sterbender Schwan sei.

Das Vikariat wird auch von der Suche nach einer stimmigen Aufgabenteilung geprägt sein. Für Stina und Yves, der zu 80% als Anwalt beim ewz arbeitet, ist klar, dass in Zukunft beide zu gleichen Teilen in Beruf und zuhause tätig sein werden: „Die Kinder haben ein Anrecht auf Mutter und Vater, und wir beide haben Berufe erlernt, die wir auch ausüben wollen.“

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 17 vom 11.9.2009

 
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