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Die Freiwillige (Edith Portmann)

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In einer der letzten Ausgaben der Gemeindeseite erschien ein Bericht über unsere Freiwilligen. Eine von vielen, die in diesem Zusammenhang porträtiert werden könnten, ist Edith Portmann.

Kürzlich erzählte mir eine betagte Frau nicht ohne Stolz, sie sei nach einem halben Jahr wieder aus dem Altersheim ausgezogen. Es habe ihr dort nicht gefallen. Bei Edith Portmann ist das anders. „Ich bin zufrieden hier in der Herzogenmühle, glücklich sogar“, sagt sie zu Beginn des Gesprächs, und zwei Stunden später, nach Erzählungen, die von Dresden über Berlin nach Basel und von Höngg über die Winterthurerstrasse an den Glattstegweg 7 geführt haben, fragt sie rhetorisch, ob ich mir vorstellen könne, dass es ihr hier gut geht.

Eigentlich will ich mich bei unserer Begegnung vor allem über Edith Portmanns diverse Aktivitäten informieren. Mein Gegenüber ist Freiwilligenarbeiterin par excellence. In unserer Kirchgemeinde hat sie bis vor kurzem noch beim Zäme Zmittag ässe serviert. Das ist der über Achtzigjährigen zu streng geworden, „da reichte“, wie sie sich selber ausdrückt, „die Puste nicht mehr“. Doch bei den Seniorennachmittagen, „wo man nicht so rennen muss“, verteilt sie weiterhin Kaffee. Im Altersheim hilft die ehemalige Krankenschwester beim Servieren und Abräumen des Geschirrs – „damit sich das Pflegepersonal um die Menschen kümmern kann“. Ausserdem legt sie jeweils am Dienstag in der Lingerie Froteewäsche zusammen. Und einmal wöchentlich geht sie in eine Schulklasse, um den Kindern beim Lernen zu helfen.

Zeitungslektüre im Licht der Bomben
Bald indes führt das Gespräch von der Gegenwart weg in die Gegend, an die Frau Portmanns sächsischer Dialekt heute noch erinnert. Sie kam in der Nähe von Dresden zur Welt. Ihr Vater, ein Oberstudienrat, war nicht in der Partei. Deshalb wurde er gleich nach Kriegsbeginn eingezogen. Er kam 1947 aus der amerikanischen Gefangenschaft zurück. Als Edith Führerin beim Bund Deutscher Mädchen werden wollte, verbot ihr das die Mutter, ohne zu erklären weshalb. Man durfte über solche Dinge nicht sprechen. Gegen Kriegsende, in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 wurde Dresden bombardiert. Edith, die eigentlich am Bahnhof hätte Ostflüchtlinge in Empfang nehmen sollen, hatte ihren Dienst abgetauscht. „Wir lebten an einem Ort, der etwa so weit von Dresden entfernt liegt wie Dübendorf von Zürich. In jener Nacht konnten wir Zeitung lesen, so hell war’s. Am Tag darauf strömte ein Zug kohlrabenschwarzer Menschen aus der Stadt. Drinnen lag alles in Schutt und Asche.“

Die Zeiten blieben auch nach Kriegsende schwierig. Im sozialistischen Ostdeutschland durfte die Tochter eines Akademikers zunächst nicht studieren. Dieser Weg, erzählt Edith Portmann, sei nur den Arbeiter- und Bauernkindern offen gestanden. So wurde sie Krankenschwester. Schliesslich konnte sie sich 1950 doch noch an der medizinischen Fakultät der Huboldtuniversität in Berlin immatrikulieren. Dort sah sie, dass die Welt drüben im Westen besser war. 1952 beschloss sie zu fliehen. Ein amerikanisches Flugzeug brachte sie nach Hannover. Von dort ging’s weiter nach Bönnigheim bei Stuttgart, wo ein Cousin von ihr lebte. Das Medizinstudium gab sie auf und arbeitete fortan als Krankenschwester – „die waren gesucht in der Nachkriegszeit“.

Unsterbliche Stadt
Über Köln kam sie nach Basel ans Bürgerspital, die heutige Uniklinik, später in eine private Praxis. Dort lernte sie einen Patienten namens Henry Portmann kennen. 1961 heirateten die beiden. Kinder und Enkel kamen zur Welt, das Leben nahm seinen – alles andere als linearen – Lauf. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2004 zog Edith Portmann in die Herzogenmühle. Manchmal zieht es sie zurück in ihre Heimat. Bald nach unserem Gespräch wird sie nach Dresden reisen, zum Klassentreffen mit ihren Mitschülern von der Volksschule – das werde noch immer regelmässig durchgeführt, auch wenn nicht mehr so viele dabei seien, erzählt sie. An der Wand in ihrem Schwamendinger Zimmer hängen Stickereien der Frauenkirche und des Zwingers, der beiden Wahrzeichen Dresdens, der Stadt, die Frau Portmann nach einem bekannten Diktum „unsterblich“ nennt.

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 19 vom 9. Oktober 2009

 
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