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Der Chauffeur (Albert Scheuchzer)

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Es geht uns im Pfarrhaus es bizzli wie der Witwe von Sarepta, nachdem sie vom Propheten Elia besucht worden war. Jene hatte fortan immer Mehl und Öl, wir haben immer, wirklich: immer!, einen Baumer Fladen als Dessert und Zvieri für uns selbst und für erwartete und unerwartete Gäste. Unser Elia ist unser Nachbar und Gemeindeglied Albert Scheuchzer. Weil man sich doch schon recht gut kennt, stell ich ihm ohne Umschweife die Frage, die mich wirklich interessiert: Was ihn, seiner Meinung nach, post mortem erwarte.

Albert Scheuchzer schaut mich lange an mit seinen nachdenklichen Augen. Dann sagt er, seine Hoffnung sei, dass ihm der Herrgott verzeihen werde. „Aber“, sinniert er weiter, „wenn Christus mich verworfen hätte, würde er mir doch nicht so helfen.“

Es sind erstaunliche Erfahrungen, die Albert Scheuchzer mir da erzählt, zum Beispiel: „Als ich einst nach Feierabend in der Dämmerung eine Strasse überqueren wollte, zwang mich irgendeine höhere Kraft, stehen zu bleiben. Ich konnte einfach nicht mehr weiter gehen. Da kam ein VW-Bus ohne Licht mit Tempo 100 gerast, streifte mich, aber verletzte mich nicht.“ Wie er sich das erkläre? „Ich habe einen Schutzengel“, sagt er, „sicher, das ist nichts anderes.“

Ein andermal berührte ihn dieser Engel, physisch, spürbar: „Ich hatte Frühdienst, als mir das Schlimmste geschah, was dir als Chauffeur passieren kann: Ich fiel in einen Sekundenschlaf. Da stupfte mich jemand an der Schulter. Ich schreckte auf, vor mir stand eine Autokolonne, gerade noch rechtzeitig konnte ich stoppen. Ich schaute in den Rückspiegel, doch da war niemand. Niemand. Das bleibt mir immer, diese Erinnerung.“

Güggelrot, der Randständige
„In meiner Kindheit in Bauma waren wir die Randständigen, wie man sagt, man musste sich nach der Decke strecken, aber wir waren nie armegnössig. Der Pape war oft arbeitslos. Lernen konnte er nichts. Er schaffte auf einer Spenglerei, die hatten ihn gern, er war besser als mancher Berufsmann, hat manchen Dachchänel uegmacht, doch der Chef war zu faul, um Rechnungen zu schreiben, dafür konnte er dann keine Löhne auszahlen. Das ging natürlich nicht, mein Vater musste kündigen, zwischendurch jobbte er als Velomech. Der grösste Arbeitgeber in Bauma, die Weberei Jucker, wollte ihn nicht. Der Jucker hatte eine Pikke auf meinen Vater. Die beiden waren zusammen zur Schule gegangen. Der glaubte, mein Vater habe sich am Generalstreik 1918 in Winterthur beteiligt, obwohl er da gar nicht dabei war. Dafür arbeitete meine Mutter bei der Weberei. Als sich der Webemeister an sie heranmachte, wies sie ihn zurück und sagte, sie gehe zum Chef. Das solle sie nur, grinste er. Von da an erhielt sie nur noch schlechte Zettel, dauernd rissen die Fäden, sie kam nicht vorwärts und verdiente wenig.“

In der Schule wurde Albert gehänselt, Güggelrot riefen sie ihm nach, weil er einen roten Kopf bekam, wenn er zornig war. „Glücklicherweise konnte ich mich wehren.“ Später machte er eine Lehre als Sägen- und Messerschmied in Turbenthal, dann ging er nach Zürich, arbeitete bei Escher-Wyss. Ein Kollege sagte zu ihm, er sei doch ein Dummer, warum er sich nicht bei der VBZ melde, da verdiene er mehr. Also bewarb er sich, „die siebten schaurig, aber ich hatte Schwein“, er wurde zuerst Kontrolleur, dann Tramführer und schliesslich Buschauffeur. Er heiratete, eine Tochter kam zur Welt, es klappte nicht in der Ehe, man trennte sich. Dass er seiner Tochter, die heute als Sozialpädagogin tätig ist, kein guter Vater gewesen sei, das ist etwas, was Albert Scheuchzer beschäftigt und ihn auf den abgründigen Gedanken bringt, er könnte vom Herrgott verworfen sein.

„Alles wurde leicht“
Doch dann taucht wieder so eine seltsame Erinnerung auf: „Einst half ich einem Bauern, sein Bord zu mähen, es war gäch, immer wieder rutschte man runter, und heiss war‘s, es ging gegen Mittag, der Schweiss lief in Strömen, und ich wollte meine Sägisse wegschmeissen. Da fiel mir wie vom Himmel herab der Gedanke ein: Was ist das Bizzeli, das du da leiden musst, im Vergleich zu dem, was Christus am Kreuz für dich gelitten hat. Das war, als würde ein Licht angezündet in mir, alles wurde leicht, ich konnte mähen und singen noch dazu.“

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 3 vom 29. Januar 2010

 
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