Agenda Aktivitäten Begleitung Kontakt Texte und Bilder Predigten Downloads  

Die Sozialdiakonin (Ursi Raschèr)

UrsiRascher.jpg

Die türkische Inhaberin des Restaurants SchwamEdinge, Selma Oelemezler, und Ursi Raschèr begrüssen sich sehr herzlich. Man kenne sich seit vielen Jahren, sagen die beiden. Dann beginnt unsere Sozialdiakonin die erste von vielen Geschichten an einem langen Abend zu erzählen.

1999 wurde ein Forum lanciert, um über das Zusammenleben im Quartier nachzudenken. Eine der daraus entstandenen Ideen war, im Schwamendingerhuus eine Kulturbeiz zu lancieren. Lange Jahre war Ursi Rascher als Vorstandsmitglied des Vereins Kulturgruppe SchwamEdinge an der Realisation dieses Vorhabens beteiligt – «das ist der Grund, weshalb Selma und ich uns kennen».

Zeitgleich initiierte sie die Kulturbars im Kirchgemeindehaus. Ausgangspunkt war das Kirchenfest
zum Jahr 2000: «Bei uns gab’s im Foyer ein Café, dafür hat uns das Sahara seine Gartenmöbel ausgeliehen. Ausserdem eine Kinonacht, dafür kleideten wir den Saal schwarz aus – sah super aus. Die Angebote liefen gut, das veranlasste uns, zukünftig jeweils im Winter eine kulturelle Trilogie anzubieten, Lesungen, Kino, Tanz, Jazz, Klassik und so weiter.» Höhepunkte waren u.a. die Auftritte der Jazzmusikerinnen Irène Schweizer und Co Streiff sowie des Carmina Quartetts. Letzteres, ein Ensemble von Weltruf, hatte in Schwamendingen sein Heimspiel: «Der Violinist Matthias Enderle ist der Sohn unseres legendären Kirchenmusikers Franz Enderle, das Quartett
hatte einst in unserer Kirche geprobt. Als die Musiker vor dem Auftritt noch besondere Stühle
wünschten, da ging sie Matthias gleich selbst holen. Er wusste ja, wo sie standen.»

Blick über den Tellerrand
Immer wieder schwingt Ursi Raschèr aus ins Narrative. Doch die Anekdoten sind keineswegs zufällig oder chaotisch, sie sind Teil einer geordneten Welt. Drei Schwerpunkte sind es, welche die Arbeit der Sozialdiakonin während all der Jahre geprägt haben:
1) Ursi Raschèr verstand ihr Büro stets als Anlaufstelle für Menschen in schwierigen Situationen:
«Zu hören, was die bewegt, zu schauen, wie die wieder auf die Füsse kommen, mit finanziellen
Hilfestellungen, aber eben nicht nur. Und manche von denen sind kleben geblieben, aus Kurzkontakten sind Beziehungen entstanden, die Leute haben angefangen, an unserem Gemeindeleben teilzunehmen.»
2) Dann waren da die kirchlichen Anlässe: die Kultur- und Theologiebars, die Basare, die
Suppentage, die offene Weihnacht. Familienplausch, Maitliträff, Männerkochkurs, Sportartikelbörse, Oasen-Gruppe. Fink, der Bruder vom Kolibri, der für «Freihändig, Innovativ, Natürlich: Kinder» steht. Der Kolibri selber, die frühere Sonntagschule. Ursi Raschèr hat ihn in den letzten Jahren übernommen und als «absolut geniale Nische im Alltag» erlebt.
3) Schliesslich waren da «der Blick über den Tellerrand, die Fühler, die ins Quartier hinaus
ausgestreckt wurden. Die Kulturbeiz gehört dazu, ebenso die Nachbarschaftshilfe, das letzte Kind ist die Mobile Spielanimation, die aus einem Netzwerk von Institutionen im Quartier entstanden ist und Menschen erreicht, an die du sonst nie und nimmer rankommst, die
Bildungsfernen, die mit Migrationshintergrund, um es im Jargon zu sagen. Die kommen nicht in unsere Räume, die musst du auf den Spielplätzen abholen.»

Die Bibel als Schmirgelpapier
Spätabends frage ich die Sozialdiakonin nach ihrem Lieblingsbibelspruch. Ich soll, lautet ihre
spontane Antwort, schreiben: «Sie sah mich entgeistert an.» Einen Bibelspruch als Lebensmotto habe sie nicht. Aber, fährt sie fort, manchmal sei ihr durch die Pfarrerinnen und Pfarrer
ein «Türli für Blitzgedanken» geöffnet worden. Die Bibel sei für sie «eine Art Schmirgelpapier,
an dem man sich reibt.» Und damit auch ein «Korrektiv gegenüber einer allzuaalglatten Kirche»: «Kirche sollte das Menschsein in seinem ganzen Spektrum erfassen, nichts abwürgen, nichts totschweigen.» Ursi Raschèr weiss, wovon sie spricht. Sie hat selber das ganze Spektrum erlebt in den fast drei Jahrzehnten, die sie in unserer Kirchgemeinde tätig war. Angestellt
wurde sie einst, weil sie keine Angst hatte vor schwierigen Fällen in der Sozialberatung. Beim
Vorstellungsgespräch trug sie einen Minijupe und rote Strümpfe. Zu ihren ersten Angeboten
gehörten auch schon mal «Shiatsu und Partnermassage». Viele Jahre später fuhr ihr einer
hinten ins Auto. Sie hatte ein Schleudertrauma, war ein Jahr lang teilweise arbeitsunfähig, dazu
kamen Augenprobleme – «das war eine schwierige Zeit».

Das alter Ego pflegen
Heute frotzeln ihre Freunde, sie werde nach der Pensionierung nicht lange untätig bleiben. Und
tatsächlich: Im Haus im appenzellischen Wolfhalden, das sie zusammen mit ihrem Lebenspartner
bewohnt, steht eine vollständig eingerichtete Werkstatt bereit. Ursi Raschèr, die berufsbegleitend die Kunstschule Wetzikon absolviert hat, findet hier Gelegenheit zum «Malen, Werken, Erfinden, Verwerfen, Behalten, Entwickeln, Lüften, Raus- und Reingehen, Alleinsein,
mit Leuten sein: Ich habe mir meinen Raum eingerichtet.» Doch gegen die allgemeine
Meinung möchte sie und wird sie ihr «alter Ego» pflegen: «Ich werde in der Wiese liegen, die
Katze streicheln, den Garten begehen, ich werde die Reise nach innen antreten, in die Ruhe, ich
habe ein Bedürfnis danach. Was nachher kommt, werden wir sehen.»

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 11 vom 28. Mai 2010¶

Ursiliestvor28229.jpg
UrsiWolfhalden28229.jpg
 
Die Gemeindeseite als PDF-Dokument
mehr...
Sommergottesdienste "Stein um Stein"
mehr...
Fotos von vergangen Anlässen
mehr...
Die Website finden Sie hier
mehr...
Nächste Anlässe:
Bibelteilen
Am 23.10.2019 um 12:00 Uhr
Kirchgemeindehaus, Stettbachstrasse 58, Pfarrteam
mehr...
Malatelier für Kinder und Jugendliche mit einer Beeinträchtigung
Am 23.10.2019 um 14:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Nora Wittlinger
mehr...
Malatelier für Kinder und Jugendliche mit einer Beeinträchtigung
Am 23.10.2019 um 15:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Nora Wittlinger
mehr...
Bildungsabend
Am 23.10.2019 um 19:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Jiri Dvoracek, Pfarrer
mehr...
Erste Kirchenkreisversammlung
Am 24.10.2019 um 19:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Andi Stoll, Präsident Kirchenkreiskommission
mehr...
Musikalische Vesper
Am 25.10.2019 um 19:00 Uhr
Kirche Saatlen, Saatlenstrasse 240, Kirchenmusik- und Pfarrteam
mehr...
Gottesdienst mit Taufe
Am 27.10.2019 um 10:00 Uhr
Alte Kirche St. Niklaus, Pfarrteam
mehr...