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Robin Thoma (Der Konfirmand)

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Robin Thoma am 6. Juni 2010, seinem Konfirmations- und Geburtstag

Flachbildschirm und weisse Wände verbreiten eine sachliche Atmosphäre. Verdutzt frage ich, ob das sein Büro sei. Ja, antwortet Robin, und auch sein Schlafzimmer. Das Sofa lasse sich zum Bett umfunktionieren. Er serviert mir Wasser und ein Glas. Dann fragt er mich, wie lange das Gespräch dauern wird.

Ob er sich auf die Konfirmation freue, frage ich meinerseits. „Ja, es wird ein spezieller Tag, es ist zugleich mein Geburtstag. Ich freue mich, dass viele Verwandte und Freunde kommen werden.“ Was bedeutet dir die Konfirmation? „Ich werde von der Kirche nun als erwachsen angesehen, darf mitbestimmen. Das finde ich gut.“ Und das Konfjahr hat dir gefallen? „Ja, ich habe einige wiedergesehen, die ich vom 3. Klass-Unti gekannt hatte, andere habe ich neu kennengelernt. Wir waren eine kleine Gruppe, nur sieben, aber wir hatten’s gut.“ Highlights? „Das Konflager im Tessin, da haben wir unter anderem die älteste Kirche der Schweiz gesehen. Der Besuch bei Pfarrer Sieber, der kam selber zu spät zum Gottesdienst und hatte einen eigenen Stil, der redete mit den Leuten, fragte, wie sie heissen, ich hoffte, dass er mich nicht drannimmt, ich mag das nicht, so im Rampenlicht zu stehen bei fremden Leuten. Weiter war der Besuch bei der Polizeipfarrerin interessant, wir konnten da den Raum besichtigen, wo die Pressekonferenzen stattfinden. Die Pfarrerin hat eine schwierige Arbeit, so als Seelenklempnerin der Polizisten. Und einmal sammelten wir auf dem Schwamendingerplatz Geld für Terre des Hommes, ziemlich viel sogar. Zum Dank gab’s dann ein Gratisbillet für das Musical „Ewigi Liebi“. Aber ich ging da nur hin, weil’s nichts kostete. Musicals sind nicht so mein Ding.“

Welche Musik hörst du? „Nichts besonderes, alles e chli.“ Hobbies? „Nichts Regelmässiges, früher habe ich Fussball gespielt, beim FC Schwamendingen. Ich war Torwart, doch das war manchmal mühsam. Wenn du einen Fehler machst, sehen es alle, das hat mit der Zeit keinen Spass mehr gemacht. In der Freizeit geh ich gern raus mit Kollegen, wir hängen herum, manchmal spielen wir Basketball, Pingpong, manchmal gamen wir am Computer, aber nicht so oft, das macht nur süchtig.

Am Wirtschaftsgymnasium
Ich investiere viel Zeit in die Schule, lerne viel, das wirkt sich aus. Früher war ich ziemlich knapp, jetzt habe ich gute Noten. Ich habe das Wirtschaftsprofil gewählt, deshalb musste ich vor einem Jahr von der Kanti Oerlikon nach Hottingen wechseln. Wir haben aber nur drei Stunden Wirtschaft in der Woche, weil das Ziel der Schule ist, uns eine solide Allgemeinbildung zu vermitteln. Ich finde das einen guten Ansatz.
Religion wird an dieser Schule allerdings nicht angeboten, auch nicht als Freifach. Über Mittag gibt’s einen Bibelclub, da wollte ich schon mal vorbeischauen, doch schlussendlich schalte ich dann doch lieber ab, esse etwas Rechtes und geh an die frische Luft, damit ich am Nachmittag wieder fit bin.

Was ich übrigens gut fand im Konfjahr, war die Street Church. Als da im Gottesdienst ein ehemaliger Drogenabhängiger erzählte, wie er clean geworden ist, wurde es plötzlich ganz ruhig im Raum, und die Rapmusik hat mir halt schon besser gefallen als die Lieder sonst in der Kirche. Ausserdem finde ich, die Kirche sollte später beginnen, am Sonntag stehe ich frühestens dann auf, wenn der Gottesdienst anfängt, und ich würde sicher nicht den Wecker stellen, um rechtzeitig dort zu sein. Mit der Familie gehe ich gern in die Kirche ab und zu, aber so allein, das würde ich nicht wollen.“

Hast du Träume für deine Zukunft? „Eigentlich nicht. Ich will studieren, das auf jeden Fall. Der ganze Aufwand mit der Schule soll sich ja auch lohnen. Aber ich weiss noch nicht was. Ich habe noch Zeit, ich komme erst in die vierte Gymnasialklasse. Jedenfalls möchte ich einmal genug Geld verdienen, aber das ist nicht das einzige. Ich möchte auch zufrieden sein bei der Arbeit, die ich mache.“

Deismus
Glaubst du an Gott? „Ja, ich glaube zwar nicht an eine Person, aber an eine Macht über uns, etwas, das mächtiger ist als wir. Ich habe aber nichts dagegen, wenn Freunde von mir sagen, Gott gibt es nicht. Andere Kollegen sind recht religiös. Bei denen wird vor dem Essen gebetet, da mache ich dann schon auch mit. Für mich selber bete ich nicht wirklich, manchmal in Gedanken vielleicht, zum Beispiel kürzlich, als ich Lottozahlen ausgefüllt habe. Ich weiss nicht, man muss das differenziert anschauen, einige sagen, es gibt Gott, andere sagen, es gibt ihn nicht, ich stehe irgendwo dazwischen. Im Geschichtsunterricht hatten wir es kürzlich vom Deismus, der vorherrschenden Religion in der Aufklärung. Gemäss dem Deismus funktioniert die Welt nach vernünftigen Gesetzen, die ein vernünftiger Gott so festgelegt hat, und weil Gott vernünftig ist, greift er nicht ins Weltgeschehen ein.“

Man ist durch mit dem Fragenkatalog. Das Gespräch ist beendet. Doch keineswegs der Abend. Die Eltern laden mich zu einem Glas Wein auf dem Balkon ein. Robin setzt sich dazu. Man diskutiert über Gott und die Welt, das Unser Vater, die Konfkleider („Schwarz in schwarz, unsere Lehrerin für bildnerisches Gestalten nennt das eine unbunte Farbe“) usw. Die Geschichtslehrerin wäre stolz auf ihn wegen seines Wissens über den Deismus, grinst Robin. Und ganz am Schluss sagt er: „Jetzt diktier ich dir noch den Schluss deines Textes, ist e chli frech, aber anständig frech: Ich würde mich freuen, wenn die Leute, die das lesen, mir nachträglich noch ein kumuliertes Konf- und Geburtstagsgeschenk zukommen liessen.“

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 13 vom 25. Juni 2010

 
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