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Der Animateur (Geri Rytz)

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Achtzehn Jahre, von 1972-1990, lebte Pfr. Geri Rytz an der Aprikosenstrasse 25. In dem Büro, in dem ich diese Zeilen schreibe, verfasste der gebürtige Basler einst mit spitzer Feder seine Schnitzelbänke für die Jahresschlussfeiern.

Zuvor war er neun Jahre Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde in Genf. Dort lebte er zunächst in einem möblierten Zimmer, das inkl. Frühstück 180 Franken pro Monat kostete. Später bezog er eine 11/2 Zimmer-Wohnung im 5. Stock. Sie diente ihm als Schlafstatt und Büro zugleich. „Über bestimmte Dinge fiel’s mir so leichter zu predigen“, kommentiert er trocken die bescheidenen Verhältnisse, in denen er sich offenbar wohl fühlte. „Der Palast wird mir zur Last“, lautete der Slogan, mit dem damals eine junge Pfarrgeneration ihren Unmut über allzu grosse Häuser artikulierte.

Das Pfarrhaus an der Aprikosenstrasse erlebte Rytz aber nie als Palast: „Wir waren ja nun eine vierköpfige Familie“, sagt er, „und in der separaten Wohnung im obersten Stock lebte eine Studenten-WG, unsere sogenannten Dachkinder.“

Pfarrer Rytz‘ Aufgabe in der Schwamendinger Gemeinde hatte den merkwürdigen Schwerpunkt „Unkirchliches“. Er beinhaltete, zum Beispiel, Predigt-Werkstätten, in denen Sprache und Themen auf ihre Verständlichkeit für Nichtkirchler abgeklopft wurden. Diese Arbeitsweise, betont der inzwischen 75-Jährige, sei wichtig gewesen. Über Begegnungen entstanden Beziehungen und Bindungen an die Gemeinde. Diese wirken – wie der Schreibende bezeugt – bis in die übernächste Generation nach.

Kein Mitreisspfarrer
Die Nachhaltigkeit mag mit Geri Rytz‘ Interpretation des Pfarramts zusammenhängen. Er sei, sagt er, von seinem Naturell her „kein Mitreisspfarrer“ gewesen. Eine betagte Frau habe einmal zu ihm gesagt, er sei nicht so strahlend und brillant, er mache seine Arbeit einfach auf seine Art, und das habe sie zur Überzeugung geführt, sie könne das auch, einfach auf ihre Art. Auf diese Weise „konnten die in den Gemeindegliedern schlummernden Gaben sich melden“. Geri Rytz verstand sich „nicht als Akteur, sondern als Animateur“ – als „Beleber“, übersetzt er und ergänzt: „wenn möglich“.

Die Frage nach theologischen Leitlinien und Leaderfiguren, erklärt Geri Rytz mit dem für ihn typischen Understatement, bringe ihn immer ins Schwimmen. Ihn habe mehr die Exegese interessiert, also die Auslegung von biblischen Texten ohne steilen Wahrheitsanspruch. Und später seien es Menschen und Romane gewesen, die ihm als Gegenüber gedient haben. Als Chefredaktor von „Kontakt“, der Zeitschrift der reformierten Jugendverbände, habe er die Nase im Wind gehabt, und bei der Lektüre von Büchern sei er manchmal auf überraschende Gedanken gekommen. „Die Kirschen der Freiheit“ etwa, eine autobiografische Erzählung, in der der deutsche Schriftsteller Alfred Andersch seine Fahnenflucht schildert, brachte Rytz zur Überlegung, dass „Gott etwas mit Desertieren zu tun haben könnte“ – im Sinn eines Ausstiegs aus gesellschaftlichen Zwängen.

Desertieren ins eigene Selbst
Und so desertierte auch Geri Rytz auf seine eigene Weise: In seinem Studienurlaub zog er sich ein paar Wochen in den Malcantone zurück mit der Frage nach seinem Gottesbild. Die Antwort erhielt er in alltäglichen Situationen wie jener, als er in ganz Lugano vergebens nach dem Verkehrsbüro suchte und schliesslich entdeckte, dass es sich in eben dem Parkhaus befand, in dem er sein Auto abgestellt hatte. Aus dieser und ein paar weiteren ähnlichen Begebenheiten folgerte Rytz: Gott ist nicht fern, Gott ist hier bei mir!

Auf theoretischer Ebene fand Geri Rytz entsprechende Einsichten in der psychologischen und feministischen Literatur im Umkreis von C.G. Jung. Als er aus dem Urlaub zurückkehrte, stellte die Gemeinde fest, dass sich in seinen Predigten nunmehr alles um die Liebe drehe, und im Konvent war er fortan berüchtigt für seine Bemerkung, dass alles „eine Frage des Gottesbildes“ sei.

Vom Zürcher Psychologen Peter Schellenbaum liess er sich zur Frage anleiten, wo – unabhängig von Wertvorstellungen und moralischen Prägungen – die Energie fliesse. Mit dem Theologen Paul Schütz begann er zu vermuten, dass Karl Barth nur deshalb so viel geschrieben hatte, weil Gott für ihn abwesend war. Und für Rytz selber wurde Gottes Anwesenheit je länger je tiefer im Schweigen erfahrbar. Auf Gottesdienste und Konfirmandenlager begann er sich meditierend vorzubereiten. Heute, zehn Jahre nach seiner Pensionierung, sagt Rytz, sei er wirklich im Ruhestand. Das zeige sich daran, dass er nicht mehr predige. Er sei zurückgetreten. Er habe nun Raum für sich.

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 16 vom 27. August 2010

Nachstehend ein Gedicht zum 75.Geburtstag von Geri Rytz, verfasst von Andreas Fischer

Em Geri zum Geburi

Vom Hari erfaar i, das de Geri Geburi fiiri bi eus da i de Cafeteria – klar, wo den susch? Drum möcht i huschhusch (ich cha nöd lang verwiile), es paar Ziile – tüends mer nöd übel nää – em Geri zu Eere zum Beschte gää.

I däm Büro, won ich ezz sizz, seg er amigs gsässe: de Geri Ritz, und heg mit Wortwizz und schpizzem Schtift Schnizzelbänk gschnizzt für d Jaaresschlussfiir, wo mängi schiir vergizzlet sind, was er ezz wider usghekkt haig, de trocheni Typ uns em Daig.

Das mer dä Basler vom Gänfersee hät chöne da ane hole, das seg – juhee – en Glükksfall gsii. Vier Jaarzäänt sind sithär verbii gange, aber hüt na isch mer schtolz, das mer de Maa hät chöne fange. Und erscht na wie! Für die, wo si würkli nöd käned, die Gschicht, voilà en churze Pricht vo däm Mythos, wo’s eim hüt na tüend überbringe, d Uuriiwoner vo Schwamedinge:

Nöd öppe im Zuug, sondern im Fluug seg, ich verzel kein Sänf, d Chilepfläg uf Gänf zum Geri z Predig. Ledig seg er damals na gsii, aber er heg da son es Projektli, heg er gseit und sis Gsicht heg sich uufgehellt, wo mer em di entschprächendi Fraag heg gschtellt, we mer das damals halt na hät gmacht. De Jesus lacht, seg übrigens em Geri sis Thema gsii. Und dänn, wo de Gottesdienscht verbii gsii isch, händ d Gänfer gseit: Wäred er nöd bereit, im Chilechoor z singe? Mir händ anders voor, händ die vo Schwamedinge gantwortet und ires Gheimnis süferli ghortet. D Genfer händs z schpaat tscheggt.

De Geri seg sälte aageggt. En extreem aagnäme Ziitgenoss seg er gsii, nöd sonen Boss, wo vom höche Ross obenabe d Gmeind beleert – gäge s Pfäffischi hät er sich immer gweert, er heg doch nöd uf ales en Antwort, won er i eim Fort a jedem Ort chöng zum Beschte gää, lieber teg er sich zruggnää und lang zuelose, e chli wäg vom Gschüzz i de Aprikose, und sich lang überlegge, öbs öppis nüzz, wämmer s Muul uufmacht, oder obs dänn unnötig kracht und Gschirr verheit, wämmer öppis Unbedachts seit.

Aber i de Gmeind ziet s Grücht sini Chreis: Gelled, de Geri isch heimlifeiss, und wän em öppis wichtig isch, dänn chan er richtig tüütlich wärde, das nachher Himmel-und-Erde weiss, was sini Meinig isch, und das es Sache git, wämmer die tuet mache, fint das de Jesus nöd zum Lache – zum Biischpil Waffe usfüere, das seg nöd guet. Das z säge hät Muet bruucht, wil mänge hät afa d Händ verrüere und böösi Brief gschriibe.

Zum Glück isch de Geri trozzdäm blibe und hät, bevor er uf Richti verreist isch, es paar tolli Projekt ufgleist, s töllschti finded vili nach wi vor Musik-Wort-Schtilli. Gad hüt hat eusi Vikarin Schtina zum erschte Mal die Adacht ghaa. Und für de letscht Vikar isch klaar gsii, wo immer in Gott hii schleppt, wel er genau das Konzept übernää i de Chile: em Geri sis Musik-Wort-Stille.

So häsch du mängs wiitergää, wo mir Nachnachfolger chönd übernää. Dadefür – so, und ezz find i de Rank zum äntli ganz schuss zum Schluss z cho – dir Geri, ganz herzliche Dank und es Gschänk, won i bim Nachber bi go hole: de vino vom Peppi „senza parole“ – en Name, find i, wo passt, wil er öppis vo dim Wese erfasst. Er mög dich beschwinge im neue Läbesjaar und dezue bringe, immer wider zrugg z choo uf Schwamedinge.

 
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