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Pfarrer mit Leib und Seele (Matthias Thurneysen)

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Matthias Thurneysen war einst Pfarrer in unserer Gemeinde. Am 14. August ist er 91-jährig gestorben. Wenige Wochen zuvor besuchte ich ihn im Altersheim Holbeinhof in Basel. Am Sterbebett erzählte mir seine Frau Liselotte Thurneysen-Nuttli sein Leben.

Matthias Thurneysen liegt ruhig da. Oft schläft er. Manchmal scheint er aufzuhorchen. Manchmal scheint er zu nicken. „Matthias“, sagt Liselotte Thurneysen, „war Pfarrer mit Leib und Seele.“ Jesus Christus war das Zentrum seiner Verkündigung, die Nachfolge das Prinzip seines Lebens: „Hinder em drii“, habe er das genannt. Und so, wie er alles, was er machte, ganz machte, war Matthias Thurneysen auch darin „nicht lau“. Noch in den letzten Monaten, als seine Denkkraft stark nachgelassen hatte, blätterte er oft in der Bibel. Mit der Heiligen Schrift hatte er, Sohn eines berühmten Theologieprofessors, sich zeitlebens befasst. Er kannte und studierte sie in ihrem hebräischen und griechischen Urtext.

Hirn und Herz
Zugleich war Matthias Thurneysen offen, wach, neugierig nach allen Seiten. Er setzte sich mit Befreiungstheologie auseinander, war engagiert im Dialog zwischen Marxismus und Christentum, unternahm Reisen in die DDR, obwohl er, wie seine Frau betont, keineswegs naiv war und die Probleme des sozialistischen Staates sehr wohl sah. Auch mit humanistischer Psychologie befasste sich Matthias Thurneysen, liess sich von Ruth Cohn zum Gruppenleiter in Themenzentrierter Interaktion (TZI) ausbilden. Eine Psychologisierung des Glaubens lehnte er zwar ab, doch war er überzeugt, dass psychologische Erkenntnisse für die Seelsorge hilfreich seien.

Die Beziehung zu seiner Frau half ihm, „Hirn und Herz“ zusammenzubringen. „Wir haben uns“, sagt Frau Thurneysen, „wunderbar ergänzt.“ Matthias Thurneysen war auch ein Geniesser, er schätzte feines Essen und guten Wein. Und er war kulturell interessiert, unternahm Reisen, besuchte Museen und Opern. „Ein grosses Thema“, fährt Frau Thurneysen fort, „war die Fasnacht – auch wenn ein Zürcher das nicht wirklich begreifen kann: Der Morgenstreich, die Trommeln, die Pfeifen, das Gässle – all die Rituale, das gehörte einfach dazu. Jedes Jahr ging man an die Basler Fasnacht, es packt dich, man kann das nicht erklären. Und die Schnitzelbänke – Matthias schrieb selber sehr gute Schnitzelbänke.“

Grüss Gott und Shalom
Matthias Thurneysens letzte irdische Heimat, der Holbeinhof, empfängt seine Besucher mit den Worten: „Grüss Gott und Shalom“. Das Besondere an diesem Ort ist: Hier wohnen Juden, Christen und Angehörige anderer Religionen „ohne trennende Mauern unter dem gleichen Dach“. Es gibt jüdische und christliche Gottesdienste, es gibt neben der herkömmlichen Küche auch eine koschere und eine vegetarische. Es werden Feste gefeiert, es finden Vernissagen statt. Hier hat alles Platz, und das passe, findet Frau Thurneysen, zu Matthias, für den die ökumenische Gemeinschaft von Taizé wichtig war, der als Pfarrer in Fribourg mit Bischof und Priestern der katholischen Kirche guten Kontakt hatte, der sich intensiv mit dem interreligiösen Weltethos des Schweizer Theologen Hans Küng befasste.

Einmal, erzählt Frau Thurneysen, habe ihr Mann noch zu ihr gesagt, er sei jetzt am Sterben. Ob er das spüre, fragte sie zurück. Ja, antwortete er, das komme jetzt. Matthias Thurneysen hatte keine Angst vor dem Tod. Und er, der ein Leben lang aktiv gewesen war, hatte eine grosse Hoffnung: „Gott“, sagte er, „hat sicher noch etwas zu tun für mich.“

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 19 vom 15. Oktober 2010

 
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