Agenda Aktivitäten Begleitung Kontakt Texte und Bilder Predigten Downloads  

Der Erdbebenforscher (Röbi Berger)

RbiBerger1swkorrig2.jpg

„In Anbetracht der unbestrittenen wertvollen jahrzehntelangen Verdienste bei der Bearbeitung von Erdbeben wird unser lieber Kollege Robert Berger hiermit auf Lebenszeit zum Ehrenmitglied des Schweizerischen Erdbebendienstes ernannt“.

So lautet der Text der Urkunde, die Röbi Berger zur Pensionierung am 21. September 1989 erhalten hat. Zu den mit der Ehrenmitgliedschaft verbundenen Privilegien gehört, dass Röbi am Institut gratis Kaffee konsumieren - und dass er nachts Erdbebentelefonate entgegennehmen darf. Letzteres taten er und seine Frau Erika tatsächlich öfters im Verlauf seiner 48-jährigen beruflichen Tätigkeit an der ETH. Die private Telefonnummer der Familie Berger war zugleich die Servicenummer des Erdbebendienstes.

Das erste Erdbeben, das Röbi Berger selber erlebt hat, ereignete sich 1943 im Wallis. „Es hat recht geschüttelt“, erinnert er sich, und dass er damals dachte, das wäre interessant, solche Beben zu messen. Der spontane Gedanke wurde Wirklichkeit. Röbi Berger absolvierte an der ETH seine Lehre als Feinmechaniker und trat anschliessend am Institut für Geophysik seine Lebensstelle an. Er war dort gemäss Fremd- und Selbsteinschätzung „Seele“, „Klagemauer“, „Mädchen für alles“. Er war beteiligt an vielen Sprengungen, und weil es damals noch keine Computer gab, betrieb er Seismologie als Feldforschung. Nach dem Erdbeben in Sarnen im Jahr 1965 rückte er mit einem Fragebogen aus, der sich u.a. nach der Art der Erschütterung („Stoss, Schaukeln, Zittern, Schwanken“) und nach wahrgenommenen Geräuschen („Knistern, Knall, Rollen, Krachen von Wänden“) erkundigte.

„Warum schüttelt’s?“
Das Institut wuchs und ebenso sein Aktionsradius. Röbi Berger kam in ganz Europa herum. Eine Fülle von Anekdoten säumt seine Reisen hoch nach Schweden, hinab nach Portugal. Am Polarkreis morgens um drei Uhr merkte man, dass etwas mit den Messungen nicht stimmte. Die Ursache war ein Rentier, das an den Kabeln kafelte. In Portugal musste er auf den Polizeiposten, weil er wegen einer Explosion per Funk mit einem Schiff in Kontakt war. In Deutschland wurde er beinahe erschossen. „Machen Sie keine Dummheiten“, sagte der Polizist und richtete seine Waffe auf Röbi, den er fälschlicherweise für einen RAF-Terroristen hielt. „Ich mache seismische Messungen“, antwortete dieser. Der Polizist stieg aus und fiel in einen Bach. Er habe genug von ihm, knurrte er, und zog wieder ab. Es gab indessen auch Vertrauensbezeugungen, wie sie heute undenkbar wären: In Eglisau brauchte Röbi Sprengstoff. An einer Verkaufsstelle erhielt er ihn, ohne Unterschrift, mit dem simplen Versprechen, am nächsten Tag die entsprechende Menge zurückzubringen.

Zu den eindrücklichsten Erlebnissen gehörte das Aufgebot nach dem grossen Erdbeben anno 1982 im Jemen. Ganze Ortschaften lagen dort in Schutt und Asche, tausende Tote unter den Trümmern.

Seiner Frau brachte Röbi Berger jeweils Steine als Geschenk aus den fernen Ländern mit. Sie hat Freude an Steinen. Doch die Angst, dass etwas passiert, die Ungewissheit zuhause mit drei Kindern, von denen zwei behindert sind, war schwer zu ertragen. Diese Pionierphase der Erdbebenforschung war spannend, die Frage: „Warum schüttelt’s?“ liess Röbi keine Ruhe, doch irgendwann war er froh, dass die Pensionierung nahte. Nach der Pensionierung konnte er seiner Frau vieles zeigen. Gemeinsam bereiste man die Orte, die er von der Arbeit her kannte, er hatte Bekannte allüberall, Bergers wurden auf Mallorca von Professoren zum Drink eingeladen und assen zuhause an der Kronwiesenstrasse mit international renommierten Geophysikern Fondue.

Ehrfurcht vor dem Beben
Zwei Fragen beschäftigen mich noch:
1. Ob die Erdbebenforschung seinen Glauben beeinflusst hat? Röbi Berger denkt lange nach. Dann sagt er, zögernd, nein. Dann: „Eine gewisse Ehrfurcht ist da, vor den Erdbeben, überhaupt vor allen Naturgewalten, vor dieser Unberechenbarkeit. Jedenfalls hat meine Frau und mich das gemeinsame Im-Glauben-Stehen stets verbunden, das gemeinsame Gebet. Abends liege ich oft da, ohne besondere Meditationstechnik, aber ganz gelöst, ganz ruhig, da habe ich schon manchmal Hilfe erhalten.“
2. Wie er die Erdbebenkatastrophe in Japan erlebt hat? Seine Frau, sagt Röbi Berger, habe eine Unruhe im ganzen Körper gespürt. Ihn selber habe es weniger belastet. „Die erste Teletextmeldung hatte noch nichts vom Tsunami gesagt. Das Beben allein hätte nicht so viel gemacht. Aber dieser Tsunami. Dass ein Tsunami so eine Gewalt haben kann, das hat man erst 2006 festgestellt. Und das Verrückte ist: Du kannst so ein Beben nicht voraussagen. Die Tiere, die merken es. Die Vögel sind ganz wild geworden, auch damals in Sarnen. Die haben ein Gespür, das uns Menschen leider abgeht.“

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr.8 vom 15. April 2011

 
Die Gemeindeseite als PDF-Dokument
mehr...
Sommergottesdienste "Stein um Stein"
mehr...
Fotos von vergangen Anlässen
mehr...
Die Website finden Sie hier
mehr...
Nächste Anlässe:
Gottesdienst
Am 20.10.2019 um 10:00 Uhr
Kirche Saatlen, Saatlenstrasse 240, Pfarrteam
mehr...
Zmittag für Alle
Am 22.10.2019 um 12:00 Uhr
Kirchgemeindehaus, Stettbachstrasse 58, Bettina Balli, Sozialdiakonische Mitarbeiterin
mehr...
Kreativ-Atelier für Frauen
Am 22.10.2019 um 14:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240,
mehr...
Singkreis Schwamendingen
Am 22.10.2019 um 09:30 Uhr
Kirchgemeindehaus, Stettbachstrasse 58, Karl Scheuber
mehr...
Bibelteilen
Am 23.10.2019 um 12:00 Uhr
Kirchgemeindehaus, Stettbachstrasse 58, Pfarrteam
mehr...
Malatelier für Kinder und Jugendliche mit einer Beeinträchtigung
Am 23.10.2019 um 14:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Nora Wittlinger
mehr...
Malatelier für Kinder und Jugendliche mit einer Beeinträchtigung
Am 23.10.2019 um 15:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Nora Wittlinger
mehr...
Bildungsabend
Am 23.10.2019 um 19:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Jiri Dvoracek, Pfarrer
mehr...
Erste Kirchenkreisversammlung
Am 24.10.2019 um 19:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Andi Stoll, Präsident Kirchenkreiskommission
mehr...