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Karl Scheuber

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Seit Mitte Mai hat unser ökumenischer Alterschor einen neuen Dirigenten. Sein Name ist ein klingender.

Karl Scheuber schlägt vor, sich im Café Schurter beim Central zu treffen. Mit diesem Ort verbinden ihn alte Erinnerungen: „Mein Vater musste sechs Jahre lang regelmässig ins Unispital. Wenn er zurückkam, brachte er jeweils etwas vom Schurter mit.“ Ausserdem sei das Café in Bahnhofnähe. Karl Scheuber kommt für das Gespräch extra vom Filmfestival Locarno angereist. Er möchte möglichst umgehend zurück, um den Abend auf der Piazza nicht zu verpassen. Der Aufwand für ein Porträt auf unserer Gemeindeseite erstaunt. Karl Scheuber scheint das Dirigat des Alterschors so ernst zu nehmen wie jenes der renommierten Chöre, die er in seiner Karriere geleitet hat, den Singkreis der Engadiner Kantorei, die Grossmünster-Kantorei, den Schwulen Männerchor Zürich „Schmaz“ usw..

Am Christopher Street Day 1989 kam Karl Scheuber gemeinsam mit ein paar Freunden auf die Idee, einen Schwulen-Chor zu gründen. Schwul sei damals schon nicht mehr ein Schimpfwort, sondern ein Kampfbegriff gewesen, „auch wenn die NZZ das Wort noch nicht verwendete“. Aus den zwei Jahren, die er dem Projekt anfangs gab, sind zweiundzwanzig geworden. Zurzeit ist Scheuber mit seinem Schmaz auf Abschiedstournee, „Schmaz jubiliert“ lautet das Programm, eine Revue, ein Revival, eine „lustvolle Rückschau auf politisch und musikalisch bewegte Jahre“. Der Chor lebt unter neuer Leitung weiter, Karl Scheuber wendet sich anderen Projekten zu. Warum einem Alterssingkreis?

Im Sydefädeli auf die Welt kommen
Karl Scheuber war 28 Jahre lang, von 1971-1998 Musiklehrer an der Kantonsschule Küsnacht, er war Studienbereichsleiter und Dozent der Zürcher Hochschule der Künste usw. Nach seiner Pensionierung fragte er sich, was er „nun angehen möchte“. Er begann, rumänisch zu lernen und dachte über ein Projekt für und mit rumänischen Strassenkindern nach. Doch dann wurde er Leiter des Altersheimchores Sydefädeli und kam, wie er sagt, „auf die Welt“. Die Arbeit sei anspruchsvoll, „Fragen, wie man Sänger abholt, wie man Aufmerksamkeit schafft, wie viel es liide mag bei Menschen, die nicht mehr beliebig belastbar sind usw. stehen im Fokus“.

Auch in Bezug auf die Liedwahl werde er mit ungeahnten Herausforderungen konfrontiert. Im Sydefädeli wolle z.B. niemand „O Heiland, reiss die Himmel auf“ singen, keiner wolle an den Tod erinnert werden, „so Moll-Lieder, das riecht nach Kirche“, sagen die Leute, sie singen lieber „Leise rieselt der Schnee“.

Karl Scheuber beabsichtigt, ein Buch über Chor-Sänger zu schreiben. Ihn beschäftige, was den Sängern das Singen bedeutet. Was z.B. die Bedeutung des Singens in einem Polizeichor sei oder im „Psychor“, einem Chor von Psychoanalytikern, den Scheuber ins Leben gerufen hat. Oder eben in einem Alterssingkreis: Zu Beginn der Probe am Morgen, da sei die Stimmung noch trüb. Doch dann, am Schluss der Stunde, wenn man Adieu sagt, habe sich die Atmosphäre aufgehellt. „Das hat mit dem Atmen zu tun und mit der Harmonie, die im Singen entsteht.“

Es gab im Leben von Karl Scheuber Zeiten, in denen er schwerpunktmässig Konzertchöre leitete. Doch nun interessiere ihn gerade „dieses nicht kompetitive Zusammen-Sein“. Auch wenn dem Chor die Bässe fehlen und man nur dreistimmig singen kann.

Nichtsdestotrotz plant Karl Scheuber ein Mega-Projekt mit einem Chor aus fünfzehn städtischen Altersheimen. Am Tag nach unserem Gespräch bekommt er zum ersten Mal die Partitur zu Gesicht, die er mit den singenden Senioren einstudieren wird. Sein Lebenspartner, ein russischer Flötist, ist für das Profiorchester zuständig. „Und Noemi Nadelmann“, fügt Scheuber lachend hinzu, „ist bei so einem Projekt natürlich unverzichtbar“.

Halbpolitische Ader
Karl Scheubers Vater war Gemeindepräsident und Schulpräsident und Steuerkommissär in Personalunion im thurgauischen Dorf Hefenhofen bei Amriswil, „die typische Ämterkumulation halt“. Von ihm hat Karl Scheuber seine „halbpolitische Ader“ geerbt. Sie pulsierte, zum Beispiel, im Schmaz, der immer in die Gesellschaft rein und nicht aus ihr raus wollte. Der Chor trat in AIDS-Gottesdiensten auf und weigerte sich, im Kloster Einsiedeln zu singen, weil er dort nicht Schmaz, sondern Scheuber-Chor hätte heissen sollen, um, wie die Patres ihren Vorschlag begründeten, die Pilger nicht zu empören. „Doch inzwischen ist Homosexualität ja kein abendfüllendes Thema mehr“.

Karl Scheuber, durch dessen halbpolitische Ader weiterhin viel Herzblut fliesst, wird auch in Zukunft Kunst nicht um der Kunst willen betreiben. In Locarno, erzählt er, habe er einen Film gesehen, der von den Wochen auf dem Tahrirplatz bis Mubaraks Sturz handelt. „Im Medium Film ist der politische Bezug eine Selbstverständlichkeit. Warum sollte er es nicht auch in der Chormusik sein?“

Dass, zum Beispiel, das Singen im Chor ähnlich wie Tanzen und Brettspiele „Bewegung ins Hirn bringt“, das sei, sagt Scheuber, „gesellschaftspolitisch relevant“.

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr.16 vom 26. August 2011

 
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