Agenda Aktivitäten Begleitung Kontakt Texte und Bilder Predigten Downloads  

Die Thurgauerin (Margrit Studer)

Frau_Studer.jpg

Schwamendingen sei soweit recht, antwortet Frau Studer auf die Frage, ob Schwamendingen ihre Heimat sei. Doch an erster Stelle steht noch immer «der schöne Thurgau».

Dort, in der Nähe von Weinfelden, verbrachte sie ihre Kindheit, der Vater war Maurer, daneben hatte man ein kleines Heimetli mit zwei, drei Kühen. Während des Kriegs war der Vater im Aktivdienst, die Mutter schaute allein für Margrit und ihre neun Jahre jüngere Schwester. Im Sommer gingen die Kinder nur bei schlechtem Wetter zur Schule. Bei gutem Wetter ging’s auf die Felder. Fast immer waren sie barfuss unterwegs, so brauchte man keine Schuhe zu kaufen. Als der Krieg vorbei war, war Margrit vierzehn.

Bald darauf, nach Abschluss der Schule fing sie beim Thurgauer Tagblatt an, es war keine Lehre im eigentlichen Sinn, aber sie wurde gefördert, lernte Schreibmaschine schreiben und stenografieren, leitete schliesslich die Inseratenabteilung. Es waren Sechstage-Wochen mit ca. fünfzig Arbeitsstunden, doch der Job machte Freude, und daneben gab es nicht viel, keinen Ausgang, kein Fernsehen, nur das Radio. Am Samstag nach Arbeitsschluss putzte Margrit zuhause die Stube und buk den Sonntagskuchen, das waren ihre Ämtli.

Schwarzalp, Bussnang, Glattal
Die Arbeit war streng, Margrit brauchte Erholungsurlaub, eine Freundin nahm sie mit in die Ferien in der Nähe von Klosters. Im folgenden Jahr ging sie wieder dort hin, diesmal allein. Die Familie, die das Ferienzimmer vermietete, hiess Studer und hatte einen Sohn mit Namen Christian. Der fragte sie eines Tages, ob sie mit ihm zur Schwarzalp hoch wandere. Obwohl sie keine geübte Berggängerin war – sie kam ja aus dem Flachland – sagte sie zu. Man redete nicht viel, am Schluss meinte Christian noch, er komme dann emal go luege, wo sie wohne. «Ja, und so hat sich das entwickelt», 1956 wurde geheiratet, in Bussnang im Thurgau, der Kirchenchor, dem Margrit angehörte, sang an der Hochzeit, dann zog sie nach Schwamendingen.

Christian Studer war schon als junger Bursche jeden Winter ins Unterland gekommen, weil’s daheim keine Arbeit gab. Er trug Milch aus, einmal, als er im Grütli Zmittag ass, fragte ihn der Maler Schweizer, ob er für ihn arbeiten wolle. Schweizer hatte guten Kontakt zum Chef der Baugenossenschaft Glattal, und so erhielt das junge Paar eine Wohnung, vier Jahre später, als der erste der beiden Söhne zur Welt kam, zog man an die Winterthurerstrasse 550. Hier leben Studers seit 52 Jahren.

Die Söhne sind längst ausgezogen, der ältere ist Oberst der Schweizer Armee und hat für die UNO verschiedene Einsätze geleitet. Der jüngere arbeitet als Akustiker bei der EMPA, Enkelin Belinda ist schon zehn Jahre alt, «die Jörli gönd ume», stellt Frau Studer fest.

Irgendwann wagte Christian Studer den Schritt in die Selbständigkeit, mit einem Deux Chevaux fing er an, Margrit machte das Büro, es war ein Risiko, doch es ging aufwärts, es waren gute Zeiten fürs Gewerbe. Die Kinder waren nicht verwöhnt, beim Vater lernten sie schaffen.

Wenn Margrit Studer und ihr Mann umenand sind, besuchen sie den Gottesdienst. Sie gehe gern dahin, sagt sie, das gebe ihr etwas. Sie habe auch schon an Angeboten im Kirchgemeindehaus teilgenommen, Bauernmalen, Turnen, habe von Seniorennachmittagen und Chum mit-Ausflügen profitiert. Als sie in den Gemeindeseiten las, dass Freiwillige fürs Schreiben von Geburtstagskarten gesucht werden, dachte sie, sie könne auch einmal etwas für die Kirche tun, und schreiben, das mache sie gern.

Am glücklichsten «dune»
Allerdings sind Margrit Studers Ressourcen begrenzt. Sie gehört zu den aktiven Seniorinnen, deren Terminkalender nicht viele Lücken aufweist. Dass wir uns überhaupt zum Gespräch treffen können, ist ein Glücksfall. Sie ist wegen eines Klassentreffens im Thurgau aus dem Graubünden nach Hause gekommen. Sonst ist sie den Sommer über die meiste Zeit im Calancatal, wo ihr Mann, ein Heimwehbündner, vor vielen Jahren ein zerfallenes Rustico gekauft und eigenhändig wieder aufgebaut hatte. Margrit Studer hat Italienisch gelernt, um sich mit den Einheimischen verständigen zu können. Einmal ganz am Anfang wollte sie Kastanien vom Boden auflesen. Die Nachbarin schaute so böse, dass Frau Studer von ihrem Vorhaben abliess. Dafür stand am nächsten Tag ein Sack voll Kastanien vor der Tür. Ihr Mann, der früher ein leidenschaftlicher Jäger war und heute noch im nahen Stausee fischen geht, bekommt von den Einheimischen ab und zu einen Fisch zugesteckt. Man versteht sich gut mit den Leuten, man ist am glücklichsten, wenn man «dune» im Calancatal ist.

Abschliessende Frage: Was uns er-warte, wenn wir gleichsam zum le-tzten Mal den Pass überqueren. Es wird dort drüben ebenso schön sein wie auf Erden, lautet die Antwort. Es ist aber auch auf Erden schön, vor allem wenn man einen guten Mann hat und zwei geratene Söhne, sagt Frau Studer. Dann bricht sie wieder auf ins Calancatal. Der Mann, sagt sie, «planget, bis ich wieder komme».

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 20 vom 26. Oktober 2012

 
Die Gemeindeseite als PDF-Dokument
mehr...
Sommergottesdienste "Stein um Stein"
mehr...
Fotos von vergangen Anlässen
mehr...
Die Website finden Sie hier
mehr...
Nächste Anlässe:
Bibelteilen
Am 23.10.2019 um 12:00 Uhr
Kirchgemeindehaus, Stettbachstrasse 58, Pfarrteam
mehr...
Malatelier für Kinder und Jugendliche mit einer Beeinträchtigung
Am 23.10.2019 um 14:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Nora Wittlinger
mehr...
Malatelier für Kinder und Jugendliche mit einer Beeinträchtigung
Am 23.10.2019 um 15:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Nora Wittlinger
mehr...
Bildungsabend
Am 23.10.2019 um 19:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Jiri Dvoracek, Pfarrer
mehr...
Erste Kirchenkreisversammlung
Am 24.10.2019 um 19:00 Uhr
Kirchenzentrum Saatlen, Saatlenstrasse 240, Andi Stoll, Präsident Kirchenkreiskommission
mehr...
Musikalische Vesper
Am 25.10.2019 um 19:00 Uhr
Kirche Saatlen, Saatlenstrasse 240, Kirchenmusik- und Pfarrteam
mehr...
Gottesdienst mit Taufe
Am 27.10.2019 um 10:00 Uhr
Alte Kirche St. Niklaus, Pfarrteam
mehr...