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Der Polizist (Manfred Luginbühl)

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38 Jahre war er bei der Polizei, 23 davon Verkehrsinstruktor, die letzten 6 in Schwamendingen, dem Quartier, in dem er aufgewachsen ist. Nun wird Manfred Luginbühl pensioniert. Am letzten Tag, an dem er Uniform trägt, trifft man sich in der Verkehrsschulungsanlage Aubrugg.

Die Anlage, erzählt Luginbühl, bilde die Strassensituation 1:1 ab, sie sei in dieser Grösse in Europa einzigartig. «Die Kinder kommen in Cars aus allen Quartieren angekarrt, um hier velofahren zu lernen. Im Schulungsraum wird Theorie unterrichtet, kurz, zirka zwanzig Minuten, dann geht’s aufs Rad, mit Hilfe von Spurgassen und Slalomkegeln wird die Geschicklichkeit trainiert.» Im Keller stehen brandneue, gefederte, 21- gängige Mountainbikes.
Vom Kindergarten bis zur Oberstufe hat Fredy Luginbühl Verkehrsunterricht erteilt, vom Lose, Luege, Laufe bis hin zum Linksabbiegen, «dem Schwierigsten, was es gibt». Seine Arbeit, sagt er, sei immer auch polizeiliche Imagepflege gewesen: «Der Erstkontakt mit den Uniformierten ist ja zu 99.9% ein positiver.» Luginbühl war faktisch ein Fachlehrer, das nötige methodisch-didaktische Rüstzeug hatte er sich in Zusatzausbildungen am IAP geholt, er war, was er als Polizist immer sein wollte: Freund und Helfer. «Ich konnte diese Seite voll ausleben, restriktiv musste ich kaum mehr sein, ich befand mich auf der Sonnenseite der Polizeiarbeit».

Sonnenseite, Schattenseite

Das war nicht immer so. Früher, als er in der kriminaltechnischen Abteilung tätig war, lernte Luginbühl die Schattenseite in Gestalt sogenannter «aussergewöhnlicher Todesfälle» kennen. Was er da sah – und z.T. zu fotografieren hatte – , verfolgte ihn bis in die Nächte: ein Mann, der Frau und Kinder und dann sich selber erschoss; ein Paar, das sich gleichzeitig erhängte; die Notiz eines Lebensmüden: «Alle haben mich gesehen, aber niemand hat mich gehört». Die Überstunden im Ordnungsdienst während der Opernhauskrawalle; die Schicksale am Platzspitz, am Letten. All diese Belastungen, sagt Fredy Luginbühl, hätte er nicht bis zur Pensionierung aushalten wollen. Als er die Stelle als Verkehrsinstruktor ausgeschrieben sah, bewarb er sich. «Dass ich die Stelle erhielt, war einer der grossen Glücksfälle in meinem Leben.»

Es habe ihn schon berührt an diesem Morgen, als er zum allerletzten Mal in Uniform vor einer Klasse stand, «vor allem vor und nach dem Unterricht ist mir vieles durch den Kopf gegangen; während der Lektion war ich wie immer ganz fokussiert.»

Stürze…

Dass es während all der Jahre zwar ein paar Stürze und Schürfungen, aber keinen einzigen schweren Unfall gab, dafür sei er dankbar, sagt Fredy Luginbühl. Und eine Fülle von Erinnerungen und Anekdoten werde er im Gedächtnis bewahren, «etwa die Aussage eines fünfjährigen Mädchens, wenn es gross sei, werde es mich heiraten». Überhaupt sei das eindrücklich, wie die Kinder bis zur dritten Klasse sagen, was sie denken: «So ab zehn Jahren, da merken sie, dass es manchmal Nachteile mit sich bringt, wenn man die Wahrheit sagt, aber vorher, da erfährt man ungeschönt, was Sache ist»:
Eine Schülerin fragte ihn, warum er so viele Falten habe. «Ich lache viel, ich hab’s gern lustig.» – «Herr Luginbühl, ich glaube, ich lache nie mehr.»
Und ein Schüler meinte, er wolle auch Polizist werden.«Gut, dann kannst du mir helfen, Räuber zu fangen.» – «Nein, bis dann sind Sie schon längst im Altersheim.»

… und Kunststückli

Bei den Instruktionen kam Fredy Luginbühl zugut, dass er das Velo ausgezeichnet beherrscht. Er konnte den Kids immer ein Kunststückli zeigen, dass sie nicht nachzuahmen vermochten. Fredy ist der jüngere Bruder des Radrennfahrers Ueli Luginbühl, der als Schrittmacher zweifacher Steher-Weltmeister wurde. Auch Fredy war als Junior ein ehrgeiziger und erfolgreicher Rennfahrer. Aus gesundheitlichen Gründen musste er die Karriere schon mit siebzehn beenden. Doch dem Radsport ist er verbunden geblieben. «Wir sind die Generation, die für Kübler und Koblet fanten, wir wohnten in der Nähe der Offenen Rennbahn, wir waren Arbeiterkinder, das bleibt dir im Blut.»

Die letzten sechs Jahre unterrichtete Fredy Luginbühl in Schwamendingen, wo er aufgewachsen ist, wo er konfirmiert worden ist, wo im Familiengrab seine Eltern und Ueli ihre letzte Ruhe gefunden haben. Er erteilte Lektionen in Schulzimmern, in denen er früher selber als Schüler gesessen hatte. Schwamendingen werde ihm fehlen, sagt Fredy. Heute wohnt er in Glattfelden, gemeinsam mit seiner Frau. Die beiden haben drei Kinder und vier Enkelkinder. Nächstes Jahr jährt sich ihre Hochzeit zum vierzigsten Mal.

Ein Kunststückli zum Schluss muss sein – es ist schwieriger als das Schwierigste, das Linksabbiegen: Fredy hält fahrend mit der rechten Hand die linke Seite des Lenkers *. Als der Schreibende später seiner Frau davon erzählt, meint sie, das sei easy. Beim Versuch, es dem Meister gleichzutun, stürzt sie indes nach weniger als einer Sekunde. Auch dieser Sturz verläuft, Gottseidank, glimpflich.

Andreas Fischer

* Siehe, gleichsam als Beweisstückli, das Video auf www.kircheschwamendingen.ch. Dass er dazu auch noch die linke Hand ausstreckt und auf einer engen Acht fährt, sei nur nebenbei erwähnt.

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 14 vom 12. Juli 2013

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