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Andreas Frei (Im Zeichen der Nachhaltigkeit)

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Einst studierten wir zusammen, später war er Vikar hier in Schwamendingen, und nun haben wir ihn als Umweltexperten zur Einführung des „Grünen Güggels“ engagiert: Porträt von Pfr. Andreas Frei.

Andreas wuchs in Zollikon in einem fest in der Landeskirche verankerten Elternhaus auf, die Mutter sang im Kirchenchor mit, es sei, sagt er, nicht auszuschliessen, dass sie tief im Herzen den Wunsch trug, dass ihr Jüngster einst Pfarrer würde. Und er selber habe immer schon eine Affinität zu den grossen Fragen gehabt. Woher wir kommen, wohin wir gehen, was der Mensch für ein Wesen sei, solche Themen interessierten ihn, der nächtliche Blick in die Sterne, wenn er mit den Hunden unterwegs war, hatte in ihm die Sinnsuche geweckt.

Also studierte Andreas Theologie, wenn auch nicht mit der Absicht, ins Pfarramt zu gehen. Im Studium trieb er die Professoren mit seinem Nachbohren zur Weissglut: Ob der Blinde tatsächlich sehend geworden war, nachdem Jesus ihn geheilt hatte, fragte er und liess nicht locker. Erst später kamen ihm andere, symbolische Verständnismöglichkeiten solcher Wundergeschichten nahe.

Abbrechen, ausbrechen, aufbrechen

Nach der Zwischenprüfung wollte er nur noch eines: abbrechen, ausbrechen, aufbrechen. Er begann mit einer Psychoanalyse, nahm eine Auszeit bei den Augustiner Chorherren auf dem Simplon, wo der im ganzen Oberwallis berühmte Prior Töffsegnungen vornahm. Andreas arbeitete in einem Männerheim, beschloss, Sozialarbeiter zu werden. Doch dann hatte er das Aufnahmegespräch falsch in die Agenda eingetragen, und als es um einen neuen Termin ging, merkte er, dass er sich verrannt hatte. Er schloss, aus pragmatischen Gründen („einen Hochschulabschluss zu haben, wäre noch gut“), das Studium ab. Bei einem Anlass für Neuzuzüger oben auf dem Turm der Niklauskirche lernte er Pfr. Ruedi Pfister kennen.

Es waren nicht viele Leute zugegen, und so fragte er ihn gleich vor Ort, ob er das Vikariat bei ihm absolvieren könne. Das Jahr war ein gutes, eindrücklich sind Andreas Frei die Abdankungen in Erinnerung. Bei der ersten war er hypernervös, die ganze Stadt, dachte er, müsste doch nun stillstehen, ein Mensch sei doch gestorben, doch die Trams quietschten, das Leben ging weiter, als wäre nichts passiert. Und Andreas merkte, dass die Menschen ihm einfach sehr dankbar waren für seine wenigen Worte.

Zehn wunderbare Jahre

Schon immer hatte Andreas Frei gejobbt, als Taxifahrer, als Nachtassistent bei der Einsatzzentrale der REGA, als Redakteur bei TVtäglich, später bei der traditionsreichen kirchlichen Zeitschrift „Leben und Glauben“ (heute: „Doppelpunkt“). Als die Tochtergesellschaft von Ringier, für die er nach dem Vikariat arbeitete, aufgelöst wurde, dachte er, man könnte es ja mal mit einer Pfarramtsstellvertretung probieren. Daraus wurden zehn wunderbare Jahre als Gemeindepfarrer in Wipkingen.

Es gab nicht wirklich Gründe dafür, die Stelle zu künden, ausser dass seine Partnerin eine begeisterte Reiserin ist und dass einem in der Ausbildung nahegelegt wird, die erste Pfarrstelle nach zirka sieben Jahren wieder zu verlassen. Andreas wagte, ein weiteres Mal, einen Neuaufbruch in seinem Leben und bereiste ein halbes Jahr lang die Westküste der USA von Alaska bis Arizona.

Grüner Gockel, Grüne Güggel

Er habe viele Hobbies, sagt Andreas von sich selber, und würde sich, wenn er könnte, dauernd weiterbilden. Früher schon besuchte er Feldornithologie- und Botanikkurse, liess sich, noch zu Wipkinger Zeiten, zum WWF-Umweltberater und dann zum kirchlichen Umweltauditor ausbilden. In Deutschland lernte er den „Grünen Gockel“ kennen, den er nun in der Schweiz als „Grünen Güggel“ zu implementieren beabsichtigt.

Andreas Frei ist nach der Amerika-Reise nicht ins Gemeindepfarramt zurückgekehrt, sondern Mitarbeiter bei NASKA „Nachhaltige Strategie und Kommunikation“ geworden. Hier steht er in dauerndem Kontakt mit Sichtweisen ausserhalb des Kirchenkuchens. Von Seiten des Bundes, stellt er fest, bestehe ein ernsthaftes Bestreben, den Paradigmenwechsel vom fossilen zum nichtfossilen Zeitalter zu vollziehen. Die Kirche indes ziehe nicht wirklich mit.

Ihm ist es ein Anliegen, dass die Kirche den Zug nicht verpasst, dass sie fit für die Zukunft ist – und glaubwürdig bleibt. Im Nachhaltigkeitsdreieck gibt es neben der wirtschaftlichen und der sozialen eben auch die ökologische Säule. Es gibt, kirchlich gesprochen, neben „Gerechtigkeit“ und „Frieden“ auch die „Bewahrung der Schöpfung“. Und diese darf nicht zum Lippenbekenntnis verkommen. Andreas Frei versteht sich als Fürsprecher jener Wesen, die selber nicht sprechen können, jedenfalls nicht in einer Sprache, die die Menschen verstehen. Ihnen will er eine Stimme geben. Und die Lebensräume erhalten, die sie brauchen. Zum Beispiel Buntbrachen und Blumenwiesen, wo Blau- und Braunkehlchen zuhause sind. Und die Erde als Lebensraum für zukünftige Generationen von Menschenkindern.

Das Vakuum und der Weg zurück

Andreas Frei, der selber keine Kinder hat, fühlt sich nichtsdestotrotz wohl, wenn er in diese Richtung etwas tut. Da, sagt er, bestehe noch ein Vakuum. Glücklicherweise fangen Kirchgemeinden an, sich für die Leerstelle zu interessieren. Und auf kantonalkirchlicher Ebene lädt das Postulat „Grüner Güggel“ von Roland E. Peter den Kirchenrat ein, zu überprüfen, wie gross der Mehrwert einer Einführung des Umweltmanagement-Systems „Grüner Güggel“ für die Landeskirche sei. „Wenn einst die Nachhaltigkeit in unserer Kirchenorganisation verankert ist“, sagt Andreas Frei, „dann kann ich wieder ins Gemeindepfarramt“.

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 16 vom 30. August 2013

 
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