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Matthias Schneebeli (Im Zeichen der Versöhnung)

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Am Palmsonntag haben Matthias und Kirstin Schneebeli-Koppelin ihr erstes Kind, Aaron Hannes, bei uns zur Taufe gebracht. Unterdessen hat Kirstin ihre Tätigkeit als Pfarrerin in Kloten beendet, und Matthias hat sein Vikariat hier in Schwamendingen begonnen. Die Familie wird während des Vikariats in der Dachwohnung bei uns im Pfarrhaus wohnen.

«Versöhnung bei Paulus» lautet der Titel der Lizenziatsarbeit von Matthias Schneebeli, die mit dem Semesterpreis ausgezeichnet worden ist. Sie steht auf hohem akademischem Niveau, doch hat der Begriff der Versöhnung für unseren neuen Vikar auch einen starken existenziellen Bezug. Versöhnung, sagt er, sei für ihn Lebensthema, Lebensaufgabe, Lebensziel.

Mit zwanzig hatte Matthias ein Bekehrungserlebnis. Er fing an, «durch die Freikirchen zu surfen», schaute bei ICF, City Church, FEG rein, schloss sich einer Täufergemeinde an. Parallel dazu betrieb er intensiv CEVI-Arbeit. Früher, als Jugendlicher, war Matthias Schneebeli ein talentierter Mittelstreckenläufer gewesen. Schon mit fünfzehn befand er sich nur knapp unter dem Limit für die Zulassung zur Schweizermeisterschaft. Er stand vor der Entscheidung, das Trainingspensum nochmals zu erhöhen oder mit dem Leistungssport aufzuhören, «mir ging es um alles oder nichts, ein bisschen Tschögerle, das wäre für mich Pfupf gewesen». Matthias entschied sich gegen den Leistungssport und für den CEVI, was ihm damals schwerfiel, sich aus heutiger Sicht aber als stimmig erweist. Die Lager, die Höcks, das geteilte Leben – all das hat ihm einen Erfahrungsfundus mitgegeben, der ihm in der kirchlichen Arbeit zugutekommt.

Nach der Sek machte Matthias eine Stromerlehre und arbeitete ein paar Jahre in einer kleinen Bude im Seefeld. Dann merkte er, dass etwas Neues anstand, etwas, was mit Sprache zu tun hat und mit Sozialem. Er holte die Matur nach, das Interesse an Philosophie, Kulturen usw. vertiefte sich, im Verbund mit den CEVI-Erfahrungen und der Glaubensbiografie führte es fast zwangsläufig zur Theologie.

Burnout und eine kurze Romanze
Nach der Matura erhielt er von den Vereinigten Bibelgruppen eine 60%-Stelle als Studentenbetreuer, ausserdem jobbte er bei der Swiss Re, und das Engagement im CEVI intensivierte sich. «Ich chrampfte», erzählt er, «bis es tätschte und mich lupfte». Die unsichtbare Schutzhülle, die einen normalerweise umgibt, kam ihm abhanden, plötzlich, über Nacht, ertrug er die Menschen um sich herum nicht mehr, mied ihre Blicke, reagierte panisch auf alltägliche Begegnungen. Burnout lautete die Diagnose, die Welt des tiptop funktionierenden jungen Mannes fiel auseinander, er musste von hundert auf null runterfahren, alle Termine absagen, sich krankschreiben lassen. Die Krankheit wegzubeten erwies sich als unmöglich, im Gegenteil: die Glaubenskonzepte, in denen er sich bewegt hatte, trugen nicht mehr, die evangelikalen Antworten verloren ihre Evidenz. Hilfreich war hingegen der Job bei der Swiss Re, wo er ungestört Versicherungsverträge archivieren konnte. Hilfreich war auch die Unterstützung durch die Familie. Dennoch war Matthias in dieser Krise allein unterwegs. Für das, was er erlebte, gab es keine Sprache, es fehlten die Begriffe, gleich einer religiösen Erfahrung war es kaum mitteilbar.

Trotz der Krise begann Matthias, Theologie zu studieren, in den ersten drei, vier Studienjahren arbeitete er sich aus dem Loch heraus, als er wieder Tritt gefasst hatte, wurde er, um das Studium finanzieren zu können, Jugendarbeiter in der reformierten Kirchgemeinde Affoltern a.A., im Frühling 2007 verliebte er sich in die Hamburger Theologiestudentin Kirstin Koppelin. Es sei eine kurze Romanze gewesen, erzählt Matthias mit feinem Humor, noch im selben Jahr zogen die beiden zusammen, im Herbst 2008 heirateten sie. Für sein langsames Naturell – er habe Berner Wurzeln – sei das Tempo etwas hoch gewesen, die Hochzeit jedoch traumhaft, Kirstins Hamburger Pfarrer traute die beiden auf dem Hirzel, wo Matthias aufgewachsen war. Am 14. September 2012 ist Aaron Hannes zur Welt gekommen.

Anschlussfähig
Weshalb «Versöhnung» sein Leitwort sei, frage ich; dass es mit der Glaubensbiografie einer gewissen «Versöhnung» bedürfe, liege auf der Hand. Doch das Wesentliche sei damit wohl nicht gesagt.

«Versöhnung», antwortet Matthias, sei ein anschlussfähiger Begriff. Zunächst wirke er – wie «Sünde», «Gnade», «Erlösung» – schwergewichtig, «ein Brocken, den nur zünftige Theologen zu stemmen vermögen». Doch eigentlich sei «Versöhnung», bzw. ihr griechisches Äquivalent, ein säkulares Wort, es stamme aus der Ökonomie, bedeute ursprünglich «Geldwechsel» und allgemein «Tausch», öffne breite Assoziationsfelder hin zu gegenwärtigen ökonomischen, ökologischen und ökumenischen Krisen.

Dass die Theologie gesellschaftlich «anschlussfähig» wird, ist Matthias Schneebeli ein zentrales Anliegen. Dementsprechend bezeichnet er es als eines seiner Ziele fürs Vikariatsjahr, die «Anschlussfähigkeit»der eigenen ausgefeilten, komplexen theologischen Gedankengänge in der Gemeindearbeit zu prüfen. «Die Geschichte geht immer weiter», sagt er: «Ich stehe jetzt an einem Punkt, nach dem Vikariat wird es ein anderer sein.» Dasselbe gilt auch für den Schreibenden, der sich auf das gemeinsame Jahr sehr freut.

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 17 vom 13. September 2013

 
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