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Laura Siegfried–Ramel

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Foto: Elisabeth Jordi

Es hätte viele Gründe gegeben, über Laura Siegfried ein Porträt zu schreiben. Unter anderem war sie die erste Kirchenpflegerin in unserer Gemeinde. Doch nun ist Laura Siegfried am 29. Oktober, kurz vor ihrem 95. Geburtstag gestorben.

Indessen hat sie selber Aufzeichnungen über ihr Leben verfasst; sie datieren vom 12. Mai 2011, wurden anlässlich der Abschiedsfeier (die am 8. November in der Niklauskirche stattgefunden hat) von den Angehörigen ergänzt und seien hier in dieser erweiterten Form als Nachruf auf einen wunderbaren Menschen wiedergegeben.

Andreas Fischer

Laura Siegfried wurde am 15. November 1918 in Beringen (SH) geboren. Im gleichen Dorf im Klettgau wuchs auch ihr zukünftiger Lebensgefährte und Ehemann Otto Siegfried auf. Aus der Jugendliebe entwickelte sich eine lebenslange tiefe Gemeinschaft.

«Mit 19 Jahren hatte ich eine nervöse Störung im Blinddarm. An der Operation bin ich beinahe gestorben. Ich lag monatelang im Spital in einem 7-er-Zimmer. Schon rechnete man mit meinem Sterben. Der Paravent wurde vor mein Bett gestellt, dahinter das Waschbecken für die Leichenwaschung. Da hatte ich eine Vision: Mitten in tiefster Dunkelheit öffnete sich der Himmel, heller Sternenglanz überstrahlte mich. «Jetzt sterbe ich», dachte ich und sprach ein Gebet: «Gott, ich bin bereit, aber denk‘ doch an meine Mutter, wenn sie hinter meinem Sarg schreiten muss…»

Das Himmelslicht war weg und ich entdeckte auf dem Nachttischli ein Neues Testament mit den Psalmen. «Wo soll ich jetzt aufschlagen?» Ich öffnete das Buch irgendwo und stiess auf den 116. Psalm:
Ich liebe den Herrn, denn er hört die Stimme meines Flehens.
Er neigt sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.
Stricke des Todes hatten mich umfangen, des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen, ich kam in Jammer und Not. Aber ich rief den Namen des Herrn: Ach, Herr, errette mich!
Der Herr ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig.
Er behütet die Unmündigen; wenn ich schwach bin, so hilft er mir. – Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der Herr tut Dir Gutes.
Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuss vom Gleiten. Ich werde wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen.


Nach diesem Psalmgebet bin ich ganz ruhig eingeschlafen. Am andern Morgen war der Arzt erstaunt: ‹Was, Sie leben noch? Ich habe nicht mehr damit gerechnet.›

Über ein Jahr brauchte ich, um wieder gehen zu lernen. Dann folgte ich der Aufmunterung einer Schulkameradin und fuhr nach Paris an eine Haushaltstelle und lernte beim Kinderhüten wieder endgültig gehen.

Später kam eine Anfrage aus England, ob ich dort als Aupair-Mädchen arbeiten wolle. Mein Verlobter Otto Siegfried war inzwischen in London tätig. Aber mit Kriegsbeginn mussten wir beide in die Schweiz zurückkehren.

Aufs Neue stand die Frage im Raum: Wie soll es mit mir weitergehen? Otto wurde als Soldat beim Militär eingezogen. Ich aber? Ich suchte mir eine Bürostelle in Zürich und erhielt (ohne KV-Lehre) eine Arbeit mit einer guten Entlöhnung, so dass wir im März 1942 heiraten und uns in Zürich niederlassen konnten.

Schon vor einiger Zeit hatten wir gemeinsam beschlossen Ottos Wunsch, ein Studium zu machen, in die Tat umzusetzen. Er begann, Jus zu studieren, und ich ging ‹verdienen›.

1943 wurde unser erstes Kind, Rotraut Anne, geboren. Da ich jetzt nicht mehr im Büro arbeiten konnte, begann ich mit Bildermalen, nahm Gesangsstunden, die mir eine Tante bezahlte und sang bei Abdankungen. Otto widmete sich dem Studium und arbeitete in den Semesterferien als Buchhalter.

Wir hatten eine romantische Dachwohnung. Wenn es regnete, mussten wir einen Kessel in der Wohnung aufstellen, weil es durchs Dach hinunter rann.

1947 kam unsere zweite Tochter, Lisbeth, zur Welt. 1956 kam ein Pflegekind, Elisabeth Jordi, zu uns. Jetzt war unsere Familie vollständig.

Als die Zeit kam, da Frauen auch in ein Amt gewählt werden konnten, wurde ich in Schwamendingen Kirchenpflegerin. 18 Jahre bekleidete ich dieses Amt. Das war eine interessante Zeit.»

Otto Siegfried arbeitete als Sekretär und Leiter des Jugendamts der Stadt Zürich. Zudem war er in der Politik und mit besonderem Engagement als Erziehungsrat tätig. Laura begleitete alle diese Aufgaben mit grossem Interesse und unterstützte ihn in jeder Beziehung.

Nach dem Tod von Otto im Jahr 1998 musste Laura sich neu orientieren. Wie es ihrem Charakter entsprach, pflegte sie viele persönliche Kontakte, engagierte sich sozial, besuchte Opern, Konzerte und Ausstellungen und widmete sich ihren kreativen Neigungen.

2004 entschloss sie sich, ins Altersheim Wäldli zu ziehen, wo sie sich bis zu ihrem Tod wohl und zu Hause fühlte.

«Im Jahr 2010 musste ich wegen einer Blutvergiftung ins USZ. Zweieinhalb Monate lang wurde ich dort aufs Beste gepflegt, so dass eine Beinamputation vermieden werden konnte.

Krankheiten verschiedenster Art begleiteten mein Leben. Doch ich bat nie um Heilung, sondern stets um neues Vertrauen, dass Gott mich führe. Er schenkte mir stets neu die nötige Überlebenskraft.

Meine Nächsten und ich hatten immer wieder Schwierigkeiten durchzustehen. Und doch: Nie sahen wir einen Grund zum Jammern. Immer wieder kamen wir durch jede Not. Die Hilfe kam manchmal anders, als wir sie uns gedacht – aber sie kam.

So stehe ich nun da mit einem Herzen voller Dankbarkeit. Ja, ich sage immer wieder Danke, danke...»

Am 29. Oktober 2013 ist Laura Siegfried friedlich eingeschlafen.

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 22 29. November 2013

 
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