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Ernst Bühler (Der Kirchenpfleger)

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Über vier Amtsperioden, sechzehn Jahre lang, betreute Ernst Bühler als Kirchenpfleger das Ressort «Gottesdienst und Musik». Sonntag für Sonntag begrüsste er die Gemeinde. Den Jungliberalen empfiehlt der alte FDP-ler, es ihm gleichzutun.

Eigentlich ist Ernst ein Untersträssler. Dort heirateten seine Eltern, dort wurde er getauft und, am Palmsonntag 1949, konfirmiert. «Frick, Frick, Frick» hiess der Pfarrer, erinnert sich Ernst, chli zackig war er, der Pfarrer Dr. Ernst Frick, und er hatte einen Schmiss, als Student hatte er zu einer schlagenden Verbindung gehört.

Die Bühlers zügelten ziemlich oft, immer, wenn eine Wohnung ein paar Franken günstiger war als die andere, wurden die Koffer wieder gepackt. Ernst schlief in der Stube, wenn die Eltern Freunde einluden und gejasst und gholeiet wurde, dann störte ihn das nicht, er konnte problemlos pfuuse. In den Ferien ging er mit dem Vater an den Greifensee zum Fischen.

Flättere, Bajonette, Stuckaturengel

Die Schulzeit war nicht einfach, mit jedem Lehrer habe er Krieg gehabt, erzählt Ernst und macht erstmals jene Geste, die er im Verlauf des Gesprächs mehrmals wiederholt: er fährt seine Ellbogen aus. Jeden Tag habe er eine Flättere erhalten, die Schulkameraden sagten amigs, er sei’s gewesen, auch wenn er gar nicht dabei war, die Flättere taten ihm nicht weh, doch sie bewirkten, dass er sich gegen die Lehrer auflehnte, bald wurde er in die hinterste Reihe versetzt, hinter die Mehrbesseren, hinter den Arztsohn und den Pfarrerssohn, denen flüsterte er die korrekte Lösung der Matheaufgaben zu und sagte selber laut eine falsche. In Mathe war Ernst gut, doch damals zählten die sprachlichen Fächer doppelt, das war sein Problem.

Ernst war sportlich, mit sechzehn fing er an, Velorennen zu fahren, später spielte er Fussball, kam als Goalie ins A-Kader des FC Zürich, doch der Trainer setzte sich in der Mitte des Platzes auf ein Stüeli und jagte die Spieler im Kreis herum wie Tiere im Zirkus, wieder fährt Ernst, während er erzählt, die Ellbogen aus, das habe er nicht vertragen, sagt er. Also sagte er Tschüss.

Im Militär war er selber ein scharfer Hund, als Korporal liess er die Rekruten über aufgepflanzte Bajonette springen, das war verboten, doch wenn ein Rekrut nicht spurte, dann drohte man ihm: Wir schicken dich zum Bühler. Als Feldweibel absolvierte Bühler WK’s bis fünfzig. Mit vierzig begann er auf Anraten des Arztes, Militärradrennen zu fahren, als er nach dem ersten Rennen zum Arzt sagte, er habe gedacht, es buzzt mi, antwortete dieser: So ist es gut. Zwanzig Jahre lang fuhr der Bühler dann Rennen, erst mit sechzig hörte er auf.

Die Lehre als Elektriker machte er im Niederdorf, eine Lebenslehre sei das gewesen, alles, was ein Mann erleben kann, habe er da erlebt, erzählt Ernst, in uralten Häusern bohrte man plötzlich ein Loch durch die Decke und dem obedraa ging sein Stuckaturengeli kaputt, dann musste er mit einer feinen Kelle wieder so ein Engeli machen, aber das habe er immer gut hingekriegt.

Beim Siggsaggsugg ein Hunderti

Einen Franken pro Tag verdiente man im ersten Lehrjahr, die Meitli, die eine Verkäuferinnenlehre machten, verdienten viel mehr, und der Kafi kostete damals 25 Rappen. Wenn man mit einem Meitli in den Ausgang ging, dann galt die Abmachung: Zum Kafi lad ich dich ein, aber das Kino musst du selber bezahlen.

Sylvia lernte er kennen, als er mit einem Freund aufs Bauschänzli ging. Nach einem, zwei Bier war die Stimmung gelockert, man offerierte allen Damen eine Knusperbrezel. Sylvia bedankte sich freundlich. Später ging man zusammen dem See entlang Richtung Fischerstube und beschloss, sich wieder zu sehen – am selben Abend, im Simplon, dem damals angesagten Tanzlokal in der Nähe des Hauptbahnhofs. Sylvia, sagt Ernst, ist das beste, was ihm im Leben widerfahren ist, sie ist, wie wenn du beim Siggsaggsugg ein Hunderti hast. Ohne die Regeln des Spiels genau zu kennen, spürt man die Wahrheit der Worte.

Sylvias erster Mann war bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Ernst wurde zum Vater ihrer Tochter, wurde Chefmonteur, FDP-Mitglied, Zünfter, er wurde, ja!, Schulpfleger, und zletscht am Änd auch noch Kirchenpfleger. Wie die Jungfrau zum Kind sei er zu dem Job gekommen, erzählt er. Viermal im Jahr war er früher zur Kirche gegangen – dann halt, wämmer sött – und niemand konnte ihm wirklich sagen, was es im Ressort «Gottesdienst und Musik» zu tun gibt. Baue dein Ressort nach deinem Gutdünken auf, sagte ihm die Präsidentin. Von Stund an stand Ernst Bühler Sonntag für Sonntag vor der Kirchentür und begrüsste die Gemeinde. Was auf der anderen Seite der Strasse, also bei den nicht-gottesdienstlichen Veranstaltungen im Kirchgemeindehaus, vor sich ging, interessierte ihn nur sekundär.

Dasselbe gilt auch für die andere Seite des Lebens. Auch was nach dem Tod kommt, interessiert den Bühler nicht wirklich. Wichtig ist ihm, dass es ihm hier unten recht geht und dass er’s recht macht. Er glaubt schon, dass es einen Himmel gibt, vielleicht in Gestalt des Universums, spekuliert er, und man höre immer mal wieder von schöner Musik und hellem Licht.

Jungliberale in die Kirchenpflege!

Was ihn richtig ärgert, ist die Initiative der Jungliberalen, die verlangt, dass Firmen künftig keine Kirchensteuern mehr bezahlen sollen. Er als alter FDP-Chlaus könne da nur sagen, man müsse all diese Dummköpfe für ein paar Jahre in die Kirchenpflege schicken, damit sie endlich sehen, was die Kirche alles macht.

Andreas Fischer

Ernst Bühler wird am 6. April aus der Kirchenpflege verabschiedet.

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 6 14. März 2014

 
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