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Sylvia Willi (Die Künstlerin)

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Man kennt sie als engagiertes Saatlemer Gemeindeglied und Sängerin in der Kantorei. Nun zeigt Sylvia Willi eine neue Facette von sich: Bis in den Sommer stellt sie im Eingangsbereich unseres Kirchgemeindehauses ihre Gemälde aus.

Wenn man Sylvia Willis Wohnung betritt, meint man, einen laufenden Wasserhahn zu hören oder, eher noch, einen Wasserfall. Das Geräusch kommt von einer Art Teichlandschaft, zwar ohne Frösche und Fische, aber mit einer Fülle von Blumen. An der Wand hängen Kinderzeichnungen, Geschenke der Enkel – die Achtzigjährige bezeichnet die Wand als ihre «Familienchronik». Durch die Stube geht’s direkt in den Garten, dieser, sagt Sylvia, sei ihr viertes Zimmer, «siehst du die Erdbeerpflanzen, die Himbeerstaude? Und dort fängt schon die erste Klematis zu blühen an». Ob ich gern Bärlauch habe, fragt sie, und ohne meine Antwort abzuwarten, schneidet sie mir ein paar Blätter ab.

Dann führt sie mich ins Atelier im Keller. Der enge Raum ist voll von Büchern, Wolle, Materialien, die sie für ihre Bilder braucht. Das Chaos, sagt Sylvia, habe durchaus seine Ordnung, sie finde stets, was sie suche. Auf dem Tisch liegen Karten, diese benutzt die Künstlerin, um neue Techniken auszuprobieren, «hier habe ich etwas mit Montageschaum versucht, aber das hat sich nicht bewährt». Sie zeigt mir einige der Exponate, die sie im Kirchgemeindehaus ausstellen wird. Auf einem sind Fundsachen aus dem Atlantik zu sehen, Seegras, Sand, Tang, Muscheln. Für ein anderes verwendet sie den Fruchtstamm eines Sonnenhuts, eine Papierserviette, Flaschenverpackung. Wie sie zu all diesen Materialien komme, frage ich. «Ich sammle überall», lautet die Antwort, «wo immer ich unterwegs bin, am Strand in Brasilien oder hier im Wald, stets schaue ich um mich, oft ist mein Blick auf den Boden gerichtet. Seit ich angefangen habe, mit Pflanzen zu färben, ist das so, immer suche ich mir die Materialien selber zusammen.»

Noch einmal auf den Hohen Kasten
Ihre Biografie fasst Sylvia Willi in eine träfe Formel: «Als Toggenburgerin in Chur zur Welt gekommen, bin ich im Thurgau aufgewachsen und habe einen Appenzeller geheiratet.» Seit 1954 lebt sie in Zürich. Sie wollte Coiffeuse werden, doch die Eltern sagten, das sei ein unseriöser Beruf. Also machte sie das KV. Mit zwanzig heiratete sie Hanspeter, ihre Jugendliebe, die sie in der Pfadi kennengelernt hatte. Bald wurde sie Mutter dreier Söhne, inzwischen ist sie achtfache Grossmutter und einmal Urgrossmutter. Lange Jahre pflegte und begleitete sie ihren schwer nierenkranken Mann, «solange er noch nicht an die Hämodialyse musste, ging es gut, da fuhren wir mit unserem Wohnmobil zu den Lofoten hoch und runter nach Kreta. Doch als er dann dreimal die Woche an die Maschine musste und nach den Beinamputationen an den Rollstuhl gebunden war, wurde es sehr schwer. Solange irgend möglich hat er seine Bewegungsfreiheit genutzt, einmal fuhren wir noch mit dem Auto nach Brülisau und dann mit der Bahn auf den Hohen Kasten, so kam er nochmals in sein geliebtes Appenzell. Im November 2008 starb er.»

Hanspeter war von Beruf «Wickler», das entspricht dem heutigen Elektromaschinenmonteur. Sylvia selber blieb ebenfalls berufstätig, anfangs war sie Billeteuse bei der VBZ, später wurde sie Buschauffeuse für Kleinbusse und arbeitete sich schliesslich zur Kanzleichefin hoch, die zehn Personen unter sich hatte. Parallel dazu bildete sie sich bei Kuoni zur Reiseleiterin aus und führte Gruppen auf die griechischen Inseln, besonders nach Kreta. Sie lernte Griechisch, heute, mit achtzig, lernt sie auch noch Portugiesisch, um mit den Einheimischen in Brasilien sprechen zu können, dort lebt ihr jüngster Sohn. Wenn man sie fragt, woher sie eigentlich die Energie beziehe für all diese Dinge, antwortet sie: Aus dem Glauben, der habe ihr vor allem in der Zeit des Abschieds von Hanspeter geholfen, «jedenfalls kommt die Energie nicht vom Ovo-Sport».

Noch auf einem weiteren beruflichen Feld war Sylvia tätig: Einst fing sie an mit Wollfärben, gab Farbkurse, u.a. für Frauen in einer norwegischen Talschaft, mit den Produkten ging sie auf den Markt, dann öffnete sie selber ein Lädeli. Kontinuierlich entwickelte sich aus dem Wollfärben die Kunst, «auch auf Grund von körperlichen Gebrechen: Irgendwann zitterte meine Hand zu sehr, ich konnte keine geraden Guttalinien – Begrenzungslinien – mehr machen, da musste ich die Seidenmalerei aufgeben und begann mit dem Aquarellieren. Dann ging auch das nicht mehr, wenn dir die Hand wegspringt, ist das Bild kaputt. Just in dieser Zeit kam die Acryltechnik auf, die kam mir entgegen, weil du da, wenn etwas abverheit, einfach neu grundieren kannst. Diese Technik habe ich nun weiterentwickelt zur Acrylcollage, das finde ich heute viel interessanter als das blosse Malen, dieses Verarbeiten von allen möglichen Materialien, die einem unterwegs so begegnen.»

Die Liebe zum Material
Ob ihrer Kunst eigentlich eine Philosophie zugrunde liege, ob sie damit etwas sagen wolle? Nein, einen philosophischen Hintergrund haben ihre Werke nicht, sagt Sylvia, sie befasse sich intensiv mit den Materialien und den Techniken, das Werk selber entstehe spontan. Sie hoffe, das eine oder andere Bild verkaufen zu können, mit dem Erlös kaufe sie dann neue Materialien. So gehe es immer weiter, das Wollfärben sei einst wie ein Samenkorn gewesen, aus dem alles Weitere gewachsen sei und weiter wachse.

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 12 13. Juni 2014

 
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