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Martin Vollenwyder (Begegnung in der Bar)

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Vollenwyder und die Geduld

Für den diesjährigen Atelier-Gottesdienst am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag ist es gelungen, Martin Vollenwyder als Redner zu gewinnen. Der Alt-Stadtrat ist bekannt für Geist, Sprachwitz, rhetorische Brillanz. Das hat sich auch im kurzen Gespräch in der Central Café Bar gezeigt, für das er sich zwischen Festival da Jazz in St. Moritz und der Leichtathletik-EM Zeit nahm.

Länger als fünfzehn Minuten werde der Bettags-Speech nicht dauern, verspricht Vollenwyder. Er sei nie als Langredner bekannt gewesen. Man müsse konzis sein. Auf das Thema des Anlasses, „Geduld“, angesprochen, sagt er schalkhaft, die seine sei sprichwörtlich. Nur Delegiertenversammlungen ertrage er nicht mehr, in dieser Hinsicht sei sein Reagenzglas – nach einer Politkarriere, die fast alles enthält: Vorstand des Wahlbüros und der Kreispartei, Gemeinderat, Kantonsrat, Stadtrat usw. – für immer voll.

Geduld, sagt Vollenwyder weiter, sei ein wirklich wichtiger Begriff in der heutigen Zeit, ein zentraler mit Schnittstellen zu vielen gesellschaftlichen Themen. „Eine typische Geste der Gegenwart ist das Wegzappen am Fernseher. Wir behandeln selbst hochrelevante Themen, als wären sie schlechte Krimis, nach den ersten Seiten lesen wir hinten nach, wer der Mörder ist.“

Nicht SUBITO, keine 08.15-Geschichten

Vollenwyder reiht Pointe an Pointe: Aus den Achtziger-Jahren habe eigentlich nur ein einziger Begriff überlebt, nämlich SUBITO. Dieser Begriff aber habe Karriere gemacht. Dabei wäre es, statt subito Entscheide zu fällen, meist sinnvoll durchzuatmen und nachzudenken. Sonst entstehe die operative Hektik jenes Bauern, der Tag für Tag sagte, er habe keine Zeit, den Zaun zu flicken, er müsse nämlich seine Hühner einfangen. Solche Hektik führe zu Stress und Burnout – und liesse sich eigentlich durch eine kurze Unterbrechung beheben. Andererseits sei Geduld nicht mit Entscheidungsschwäche zu verwechseln, Geduld könne nicht das Aussitzen von Problemen bedeuten.

Dann stösst Vollenwyder zum urliberalen Anliegen vor: „Geduld hat viel mit der Einsicht zu tun, dass es keine 08.15-Geschichten gibt. Es gilt, Menschen als Individuen wahrzunehmen und als solche wachsen zu lassen. Ohne Geduld reduziert sich die Vielfalt.“

In hoher Dichte erzählt Martin Vollenwyder Anekdoten und Fakten aus dem eigenen Leben: Von seinem Vater, der 44 Jahre lang Organist an der Kirche Enge war. Von der Zeit als Co-Leiter der Jungen Kirche. Vom Rosenbouquet für den Pfarrer zum Geburtstag, für das man Rosen aus dem Pfarrhausgarten klaute. Von Kirchenpflegesitzungen, an denen es höher zu und her ging als später bei Sitzungen des Gemeinderats. Von den Wochenenden als Jugendlicher, an denen er Fussball spielte, Handball spielte, in Altersheimen Theater spielte. Und keine Zeit hatte, fürs Gymi zu lernen. Einmal meinte der Französischlehrer, er wäre eigentlich noch ein Sprachtalent, aber ohne Wörtlibüffeln gehe es halt nicht.

„Läck, de Kadi!“

Später studierte Vollenwyder Jus, wurde Banker und Hauptmann der Gebirgsinfanterie mit über 1000 Diensttagen. Für den Generalstab, wurde befunden, habe er einen zu wenig dienenden Charakter. Die Soldaten kennen ihn heute noch. Einmal sprach ihn einer im Lift im Sozialdepartement an: Läck, de Kadi. Er hatte schon am Morgen eine Bierdose in der Hand und, momoll, er sei zufrieden mit der Stadt, er bekomme den Stutz, den er brauche. Dann das Engelwunder, als eine der drei Töchter nach einem Zeckenbiss aus der Bewusstlosigkeit wieder aufwachte und sagte, sie wolle ein Coci. In diesem Augenblick hätte Vollenwyder alle Coci-Flaschen der Welt aufkaufen können. Mit den Töchtern gibt’s alle Jahre ein Papiwochenende, da werde bis in die frühen Morgenstunden gespielt, wie früher, das sei amigs lustig und das helfe, dass man nicht ganz verkalke. Glücklicherweise findet das diesjährige Papiwochenende eine Woche vor dem Bettag statt.

Abschliessend erzählt Vollenwyder noch eine Anekdote zum Thema: Eine junge, sozialdemokratische Gemeinderätin, die ihn mit ihrer Beharrlichkeit bei Sitzungen manchmal auf die Palme gebracht hatte, lag im Sterben. Sie wünschte sich, dass im Rahmen der (von der SP-Gemeinderätin und Pfarrkollegin des Schreibenden Esther Straub gestalteten) Abdankung Martin Vollenwyder eine Rede halte. Ausgerechnet er. Er erlaubte sich den heiteren Hinweis, dass die Verstorbene seine sprichwörtliche Geduld manchmal herausgefordert habe. Unserem Redner geht auch in traurigsten Momenten der Humor nicht verloren, und seine träfen Pointen schliessen Tiefsinn mit ein. Auf den Bettags-Speech zum Thema „Geduld“ freut sich:

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 17 12. September 2014

 
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