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Jona

Das Prophetenbuch Jona war die gemeinsame Ferienlektüre der Kirchgemeinden Saatlen und Schwamendingen im Sommer 2008. Voilà die daraus resultierende Predigtreihe und ein paar Supplements...

Jona - schwer ist es wegzulaufen!
Jona - schwer ist es, mit Enttäuschungen umzugehen!
Jona - nicht immer ist es mit Gott!


Sommer-Gottesdienste mit Jona


Das Prophetenbuch Jona handelt von einer grossen Reise, einem grossen Fisch, einer grossen Stadt. Von Sonnenschutz und Sonnenstich. Von menschlicher Enge und göttlicher Weite. Passt super zum Sommer!

Märchen beginnen mit: „Es war einmal“. Sie erzählen – scheinbar – von Ereignissen in grauer Vorzeit. Doch eigentlich sind sie zeitlos, das heisst, sie betreffen uns hier und heute. Sie erzählen wundersame Dinge, die man aus dem Alltag nicht kennt. Doch auf der Ebene der Seele sind sie wahr.

Die Geschichte von Jona - nachzulesen in vier schlanken und höchst lesenswerten Kapiteln des Alten Testaments – trägt märchenhafte Züge:

· Der Prophet wird von einem grossen Fisch verschlungen. Drei Tage und drei Nächte verbringt er im Fischbauch, ehe er wieder aufs Trockene gespien wird.
· Innerhalb einer Nacht wächst ein Rizinusstrauch über ihm und verdorrt in derselben Frist wieder.
· Ninive, die 612 v. Chr. zerstörte Hauptstadt Assyriens, hatte gemäss archäologischen Forschungen einen Durchmesser von etwa vier Kilometern. In unserer Geschichte wächst „die grosse Stadt“ ins Unermessliche: Man benötigt drei Tagesreisen, um sie zu durchqueren, „selbst für einen Gott war es eine grosse Stadt“.

All dies ist märchenhaft und eben so: wahr. Es kommt sommerlich leicht daher und ist eben so: gewichtig. Gerade die komischen Szenen haben tiefen Sinn:

· Die Seeleute beten verzweifelt, „jeder zu seinem Gott“, während der Prophet tief unten in der Kabine schläft.
· Der Prophet ist wegen eines verdorrten Rizinusstrauchs „zornig bis auf den Tod“. Doch er versteht nicht, dass Gott „hundertzwanzigtausend Menschen und viele Tiere“ am Leben erhalten will.

Kein Witz: Jona möchte „lieber sterben als leben“, weil Gott „gnädig, barmherzig, langmütig und reich an Huld“ ist. Hinter menschlicher Enge offenbart sich der Horizont Gottes, der Mitgefühl hat mit Menschen und Tieren und zweifellos auch mit dem Rizinusstrauch.

Andreas Fischer

Erschienen in: Gemeindeseite Nr. 14 vom 11.7.2008

Die Genfreise - Eine Jonageschichte


„Ja…, mmhh, ja… habe ich verstanden…Ja, nach Genf, mit allen Dokumenten…ja…Jaaah!“ Jonas Tauber unterbrach den Anruf und schaltete sein Natel ab. Er sass auf einer Bank auf dem Lindenhof, hatte sich in den Schatten geflüchtet vor der heissen Sonne. Das Natel hatte Tauber immer noch in der Hand, sein Blick war auf irgendeinen Punkt in der Ferne gerichtet, weit über das ETH-Gebäude hinweg. „Nach Genf,“ ging es ihm durch den Kopf, „nach Genf: Es wird also ernst.“ Jonas Tauber nahm seine Aktentasche, ging vom Lindenhof in Richtung HB. Auf der grossen Anzeigentafel sah er, dass auf Gleis 7 der Zug nach Genf ging. Auf dem Perron angekommen, stieg er ein, auf Gleis 6 nach St. Gallen. Versunken in sich sass Tauber im Zug. Als der Zug in St. Gallen ankam, stieg Tauber aus, ging zum Fahrkartenschalter, kaufte ein Billet nach München. Im Zug nahm er eine Gratiszeitung, legte sie nach zwei Minuten aus der Hand, nahm sie wieder, holte einen Stift heraus, versuchte sich am Sudoku, steckte den Stift sofort wieder ein, faltete die Zeitung ordentlich zusammen, blickte aus dem Fenster, sein Spiegelbild anschauend. Das Rascheln einer Zeitung liess ihn aufblicken. Gegenüber sass eine ältere Frau, die in der Tribune de Geneve las. Sie schaute auf, nickte ihm freundlich zu, blätterte dann weiter. Tauber starrte weiter auf die Zeitung, die Frau blickte ihn fragend an: „Entschuldigen Sie, ich wollte sie nicht stören.“ „Nein, nein, fühle mich nicht gestört, war nur überrascht, dass Sie eine Zeitung aus Genf lesen.“ „Ach so, meine Tochter lebt in Genf, mein Sohn in München. Und so fahre ich regelmässig hin und her und besuche meine Enkel. Waren Sie schon einmal in Genf?“ „Schon länger nicht, müsste eigentlich mal wieder hin.“ Tauber machte eine Pause „Aber ich muss in München etwas überprüfen.“ „Sowas gibt es noch im Zeitalter von Computern und so viel Technik?“, die Frau schaute Tauber fragend an. Tauber zuckte mit den Schultern und blickte aus dem Fenster. Dann schlief er ein. In München holte Tauber Euros aus einem Geldautomaten, zog weiter zu einem Biergarten, nicht weit entfernt vom Bahnhof. Es herrschte eine gemütliche Stimmung, Menschen lachten laut und fühlten sich offensichtlich wohl. Tauber starrte in seine Mass Bier, nahm manchmal einen Schluck, kaute lustlos auf einem Brezel, nahm wieder einen Schluck, bestellte eine neue Mass, blickte wieder in das Glas. Als es am Abend kälter geworden war, immer weniger los im Biergarten, zahlte Tauber, ging Richtung Isar. Auf einer Brücke angekommen starrte er ins Wasser hinunter. „Lohnt nicht!“ sagte eine Stimme hinter ihm. Tauber drehte sich um, ein mittelalter Mann mit zwei Plastiktüten in den Händen und einer Jamaika-Mütze auf dem Kopf nickte ihm zu. „Was lohnt nicht?“ fragte Tauber zurück. „Was wohl, Kollege?“ meinte der Mann zurück. „Die Brücke ist nicht hoch genug, das Wasser nicht tief genug, und überhaupt lohnt es sich nicht, kannste mir glauben.“ „Ich wollte doch gar nicht…“ „Natürlich nicht, Kollege. Wo kommste denn her?“ „Zürich.“ „Weit weg von Zuhause, Kollege.“ „Ich sollte in Genf sein.“ „War ich noch nie.“ „Sollte dort bei einer Firma kräftig auf den Putz hauen und sie zur grossen Umkehr bringen. Lächerlich, das Leben ist doch kein Märchen.“ „Biste so nen Umweltfritze, oder was?“ „Bin Wirtschaftsprüfer und arbeite für eine Organisation, die gegen Kinderarbeit weltweit kämpft. Habe Studien zusammengestellt.“ „Kinderarbeit, so ne Schweinerei! Muss man was gegen machen: Hey, fahr hin, mach den Feuer unterm Hintern, was biste noch hier? Los, komm“ Der Mann zog Tauber weg von der Brücke. „Wie biste da?“ „Was?“ „Wie sind Sie nach München gekommen?“ „Mit dem Zug!“ „Dann aber hopp zum Bahnhof!“ Der Mann schubste Tauber in Richtung Hauptbahnhof. Tauber nahm den ersten Zug um 5 Uhr morgens, die Fahrt nach Genf dauerte 8.5 Stunden. Im Zug hatte er sein Natel wieder angeschaltet, sein Chef hatte ihn mehrfach probiert anzurufen. Tauber sprach mit ihm, sagte, er sei nun nach Genf unterwegs. Als er in Genf ausstieg, traf er die Frau vom Tag zuvor. „Das ging aber schnell in München“, plauderte die Frau los. „Tja“, meinte Tauber, „die Arbeit ruft halt“. „Bei mir auch. Mein Enkel ist krank geworden, habe meiner Tochter versprochen, sie zu unterstützen. Geht es Ihnen gut, sie sehen so müde aus?“ „Geht schon!“ Tauber machte sich auf den Weg zur grossen Firma. Unten beim Pförtner blieb er stehen, holte aus seiner Aktentasche eine dicke Studie. „In dieser Studie haben wir aufgezeigt, dass ihre Firma Profit aus Kinderarbeit zieht, sogar grossen Profit. Wir werden am morgigen Tag eine Pressekonferenz einberufen, in der die Daten veröffentlicht werden und wollten sie darüber informieren.“ Tauber knallte die Studie vor dem Pförtner auf den Tisch und ging. „Hey, warten Sie“, rief der Pförtner, „ich mache einen Termin für Sie oben im Sekretariat!“, aber Tauber verliess mit schnellen Schritten das Gelände. Der Pförtner rief bei der Geschäftsleitung an, die Studie wurde abgeholt.
Tauber ging ins Hotel. Er war froh, nach Genf gegangen zu sein, bereitete die Pressekonferenz vor, bei der er sachlich bleiben wollte, emotionsfrei, ja nicht pathetisch werden wollte. Sein Natel klingelte, der Chef war dran: „Hey, Jonas, du glaubst es nicht, ich hatte ein Gespräch mit dem Firmenvorstand. Sie geben heute Nachmittag eine Pressekonferenz, erzählen von der Studie und stellen Projekte vor, wie sie nun aktiv gegen Kinderarbeit wirken wollen.“ „Na und!“, gab Tauber zurück, „müssen sie ja fast, die wollen doch nur, dass wir die Studie zurückziehen. Das ist reine Taktik, mehr nicht. Darauf fallen wir doch nicht rein.“ „Du, diesmal ist es anders. Sie haben mit mir Kontakt aufgenommen, ich habe ein Vertragsangebot bekommen, wir sollen als unabhängige Berater neue Kaufprojekte von ihnen begutachten. Erst wenn wir ein Jawort geben, wird das Projekt umgesetzt. Und die Projekte, die wir angemahnt haben, werden grundlegend geändert.“ „Lassen wir uns jetzt kaufen? Ich habe mir schon sowas gedacht. Die gehören an den Pranger, nicht mehr.“ „Jonas, wir wollen die Wirtschaft nicht kaputt machen, wir wollen sie ändern!“ „Blablabla, du wirst die Wirtschaft nicht ändern, sondern die Wirtschaft ändert höchstens dich! Am besten schmeisse ich sowieso alles hin, wir ändern ja doch nichts!“ „Hey Jonas, komm, wir reden darüber, wenn du morgen wieder in Zürich bist!“
Am nächsten Tag war Tauber am Bahnhof in Genf, in der Nacht zuvor hatte er kaum ein Auge zugetan. Als er sich im Zug hinsetzte, hörte er eine Stimme sagen: „Jetzt müssen Sie mir aber einen ausgeben!“. Die ältere Frau setzte sich ihm gegenüber. „War nicht so schlimm mit dem Kleinen, ich kann jetzt wieder nach Hause fahren.“, meinte sie. „Und Sie, waren Sie erfolgreich?“ „Nein. Es war eine Katastrophe!“ Die Frau schaute ihn an. „Interessiert Sie sicherlich nicht.“ „Ach, ich habe Zeit, sitze ja im Zug. Erzählen Sie mal!“ Und Tauber erzählte, erzählte von der Studie, dass er gar nicht nach Genf wollte, von München, von seinem Chef, der die Ideale verraten würde. Die Frau sagte erst einmal nichts, dann meinte sie: „Ich verstehe Ihren Zorn nicht. Endlich macht ein Unternehmen etwas, Ihre Arbeit hat doch Erfolg.“ „Ach, das ist doch nur Augenwischerei! Vor allem ist es Verrat an der Sache. Ich kann das nicht“, blaffte Tauber zurück. „Sie gehen aber hart ins Gericht.“ „Tja, wenn ich halt Recht habe“, meinte Tauber. „Entschuldigen Sie bitte, aber wenn Sie so reden, erinnern Sie mich an Markus?“ „Wie bitte?“ „Ja, an Markus. Wenn etwas nicht so läuft, wie er möchte, dann wird der Mundwinkel nach unten gezogen, schnauft ein wenig fester und blickt böse durch die Gegend. Allerdings ist Markus, mein Enkel, fünf Jahre alt.“ „Also…“ „Ja, also, warum wie ein Fünfjähriger sein? Ich meine, ich habe auch gerne Recht, natürlich, und manchmal habe ich sogar Recht. Aber nur weil ich Recht habe, heisst das noch lange nicht, dass das immer auch gut ist. Wenn mir ein Auto die Vorfahrt nimmt, dann bin ich im Recht, was mir aber im Spital nicht viel bringt.“ „Das kann man nicht vergleichen.“ „Wieso nicht, meinen Sie wirklich, nur bei den grossen Fragen der Menschheit gibt es das? Im Kleinen, im Alltäglichen leben wir Menschen zusammen, müssen manchmal Fünf gerade sein lassen, wie ja andere auch bei mir immer wieder Fünfe gerade sein lassen müssen. Hier müssen wir uns finden.“ „Soll ich jetzt die gesamte Menschheit lieben, bin ich Gandhi oder Jesus?“ „Eher nicht oder anders gesagt: Sie haben noch Entwicklungspotential nach oben. Mensch noch mal, seien Sie doch nicht so selbstgerecht, sie haben in München ja gesehen, wohin das führt. Geben Sie Menschen, die sich ändern wollen, eine faire Chance, wie auch Sie ja eine zweite Chance erhalten haben. Und apropos Jesus, der hat zumindest kapiert, dass das Ich nur funktioniert, wenn ich das Du ernst nehme.“ Die Frau stand auf, tätschelte Tauber leicht an der Schulter und ging Richtung Speisewagen.
      
Andreas Köhler-Andereggen, 16. August 2008

 
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